Hirn, Herz und Hausverstand

Das sind die drei „H’s“, die Margit Angerlehner gerne als die emotionale Intelligenz und damit als die Erfolgsfaktoren von Frauen bezeichnet. Diese alleine würden aber nicht reichen, warnt die Vorsitzende des Netzwerkes Frau in der Wirtschaft Oberösterreich. „Man muss seine Leistungen der Öffentlichkeit auch präsentieren!“

Rund 46,4 Prozent der Unternehmer in Österreich sind weiblich. Zählt man jene Frauen dazu, die gemeinsam mit ihrem Mann ein Unternehmen führen, sind es noch wesentlich mehr. Nur weiß man meist nichts davon. Denn ihre Leistung sei für Frauen oft viel zu selbstverständlich, sagt Margit Angerlehner. „Ich glaube, Frauen müssen erst einmal lernen, ihre Leistungen der Öffentlichkeit zu präsentieren.“ Deshalb ist eines ihrer vordergründigen Ziele als Vorsitzende des Frauennetzwerkes Frau in der Wirtschaft Oberösterreich, Frauen mehr Mut zu machen, sich vor den Vorhang zu stellen. „Wir sind ein innovatives Netzwerk für Unternehmerinnen, Mitunternehmerinnen und Geschäftsführerinnen, in dem alle Branchen und Unternehmensgrößen vertreten sind.“ Mitglied ist automatisch jede Unternehmerin, einen Nutzen daraus ziehen muss sie hingegen ganz bewusst, denn wer nicht teilnimmt an den unterschiedlichen Aktivitäten von Frau in der Wirtschaft und aktiv netzwerkt, ist nicht wirklich Teil davon. „Wir sind in allen Bezirken vertreten, man muss daher auch keine weiten Fahrten in Kauf nehmen, um teilzunehmen“, so Angerlehner.

Wie Netzwerke Nutzen bringen

Aber das mit dem Netzwerken ist nun mal nicht „jederfraus“ Sache. Regine Bendl, Vorständin des Instituts für Gender und Diversität in Organisationen an der WU Wien, ist überzeugt, dass Männer keinen besseren Führungsstil als Frauen haben, wohl aber bessere Netzwerke. Und diese nutzen sie auch professionell. Denn dass in eben diesen Netzwerken Weiterempfehlungen an der Tagesordnung stehen, ist für sie völlig selbstverständlich. „Männer haben einen Mega-Vorsprung, sie netzwerken schon seit vielen Jahrzehnten“, sagt auch Margit Angerlehner. Männer hätten dadurch starke Seilschaften und diese müssten sich Frauen noch viel mehr bilden. Um Hemmungen zu nehmen, treibt das Netzwerk Frau in der Wirtschaft den B2B-Gedanken stark vorwärts. „Wir bieten in jeder Veranstaltung die Möglichkeit, sein Unternehmen vorzustellen. Dass in einem Netzwerk auch Geschäfte untereinander gemacht werden und man sich gegenseitig fördert sowie weiterempfiehlt, das ist wichtig“, so Angerlehner weiter. Und dazu muss man sichtbar sein. Nur wer sichtbar ist, kann auch als Aufsichtsrätin empfohlen werden.

Sichtbarkeit alleine ermöglicht aber noch keine freie Fahrt zum Erfolg. Hindernisse wie schwierige Rahmenbedingungen will Angerlehner daher mit Frau in der Wirtschaft aus dem Weg räumen. „Punkt eins: Wir haben immer noch keine zeitgemäßen Rollenmodelle. Erst wenn sich Männer und Frauen familiäre Aufgaben aufteilen, können Frauen dieselben Chancen in der Arbeitswelt haben.“ Regine Bendl sieht das ähnlich: „Damit Frauen gleichberechtigt sein können, müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf überhaupt ermöglichen. Männer in Führungspositionen haben der Organisation ihr Leben gewidmet, die Kindererziehung hat da jemand anderer übernommen.“ Die starren Arbeitszeitgesetze würden es Unternehmen aber häufig schwermachen, eine familienfreundliche Arbeitswelt zu schaffen, gibt Angerlehner zu bedenken. Als zweiten Punkt ihrer Aufgabenliste nennt sie daher ihren Einsatz für flexiblere Arbeitszeitgestaltung. „Und Punkt drei ist das große Thema Kinderbetreuung“, so die Vorsitzende des Netzwerkes weiter. „Diese ist immer noch nicht ganz optimal, vor allem die Flexibilität des Angebots an Kinderbetreuungseinrichtungen für Unter-Dreijährige.“ Störend finde sie vor allem auch die extrem langen Schließzeiten der Betreuungseinrichtungen in den Ferien. „Das Unternehmen kann ja auch nicht zusperren.“ Der Weg zur Gleichberechtigung sei also noch ein weiter, befürchtet WU-Professorin Bendl. Deshalb brauche es auch noch Netzwerke, die sich auf Frauen spezialisieren, erklärt Margit Angerlehner. „Es geht dabei ja auch darum, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, voneinander zu lernen. Zu sehen, wie andere die Herausforderung Beruf und Familie meistern.“_

"Männer haben einen Mega-Vorsprung, sie netzwerken schon seit vielen Jahrzehnten."

Margit AngerlehnerVorsitzende von Frau in der Wirtschaft Oberösterreich

FRAU IN DER WIRTSCHAFT OÖ

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