Sagen Sie mal, Herr Landesrat …

Zu Besuch in der Promenade 37 in Linz. Ein Interview mit dem oberösterreichischen Landesrat für Integration, Umwelt, Klima- und Konsumentenschutz, Rudi Anschober, steht an. Soweit noch nichts Ungewöhnliches. Doch dann geht die Tür auf und ein Golden Retriever steht schwanzwedelnd vor einem und – das ist wohl wirklich alles andere als gewöhnlich – macht einen Knicks. Die Zweibeiner nehmen am runden Tisch Platz, der Vierbeiner darunter. Das Interview beginnt. Ebenso auf eine ungewöhnliche Art und Weise – denn die Fragen sind nicht von unserer Redaktion, sondern von unseren Lesern, unterschiedlichen Menschen aus Oberösterreichs Wirtschaftswelt.

Eva Pfahnl

Lebensmittel- und Bio-Technologin, Pfahnl Mühle

  • 01 250.000 Elektroautos im Jahr 2020 – davon geht das Umweltbundesamt aufgrund des Regierungsbeschlusses aus. Ich selbst fahre seit drei Jahren mit Begeisterung ein Elektroauto – leider hat sich die Ladeinfrastruktur in Oberösterreich nicht wesentlich verbessert. Wie sieht die Zukunft diesbezüglich aus? Sind auf Parkplätzen, in öffentlichen Einrichtungen und im Sozialen Wohnbau Ladestationen angedacht?

Anschober_Das ist eine ganz entscheidende Frage! Wir haben noch zwei große Problemzonen im Bereich der Elektromobilität – das eine ist die Distanz, die Elektroautos ohne Auftanken fahren können. Das zweite ist die Infrastruktur der Ladestationen. Aus meiner Sicht ist es absolut vorrangig, bei der Infrastruktur für die Ladestationen anzusetzen. Ich denke, wir müssen spätestens 2019/2020 so weit sein, dass wir in Oberösterreich eine flächendeckende Infrastruktur haben, die jederzeit gut erreichbar und nicht überlastet ist. In der Abstellordnung ist es ja verpflichtend vorgesehen, dass man eine bestimmte Anzahl von Parkplätzen haben muss – genauso selbstverständlich sollte es in Zukunft sein, dass die Ladestruktur vorhanden ist. Wir arbeiten im Augenblick mit dem Umweltministerium und dem Verkehrsministerium daran.

  • 02 Der Greenpeace Bericht Landeshauptstädte-Ranking 2017 stellt der oberösterreichischen Landeshauptstadt im Bereich der Öffentlichen Verkehrsmittel ein sehr gutes Zeugnis aus; in anderen Bereichen wie dem Radwegenetz, Fußgängerfreundlichkeit, Alternativer Individualverkehr gibt es schlechte Bewertungen – wie kann Ihre Partei in der Landesregierung Ideen zur Verbesserung vorbringen, die auch umgesetzt werden?

Anschober_Kernstück ist eine Attraktivierung des gesamten umweltverträglichen Verkehrs. Dazu zählt im Großraum, also für die Pendler, der Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel und im Stadtgebiet die Verbesserung für Fußgänger und Radfahrer. Wir müssen erreichen, dass wir mehr Menschen durch einen attraktiven Umweltverbund zum Umsteigen vom Auto auf umweltschonende Verkehrsmittel bewegen. Das geht aus meiner Sicht nur durch Attraktivitätsverbesserungen. Oberösterreich hatte in den letzten Jahrzehnten eine ganz starke Priorität beim Straßenbau. Jetzt muss das Jahrzehnt des umweltverträglichen Verkehrs kommen – in Bezug auf Infrastruktur und Investitionen. Deswegen auch unsere Kritik am Westring. Weil hier sehr viel Geld gebunden wird. Würde man das etwa in den Ausbau der Radwege, der Fußgängerbereiche und des öffentlichen Verkehrs umwidmen, könnte man sehr viel erreichen.

  • 03 Nachhaltige moderne Wirtschaftspolitik ist meiner Meinung nach eine Säule unserer Gesellschaft. Eine massive zusätzliche Besteuerung der Unternehmen und weitere bürokratische Hürden halte ich nicht für den richtigen Weg und sie bieten vor allem keine Anreize für Unternehmen, Österreich als Wirtschaftsstandort zu wählen. Wie würden Sie unseren Kindern und zukünftigen Generationen vor allem Oberösterreich als Standort schmackhaft machen?

Anschober_Frau Pfahnl argumentiert absolut in die richtige Richtung – wir brauchen eine ökosoziale Steuerreform, die schwerpunktmäßig die Besteuerung der Leistung, also der Arbeit, verbilligt, die massiv beschäftigungsstimulierend ist und die gleichzeitig die Verwendung fossiler Energieträger schrittweise verteuert. Ich bin sehr für eine plan- und berechenbare Steuerreform, bei der man heute schon weiß, wie sich die Kostensituation in fünf oder zehn Jahren verändern wird. Das heißt: umweltverträgliches Verhalten entlasten, umweltbelastendes - wie das Verbrennen fossiler Energieträger - stärker belasten. Dafür aber den Faktor Arbeit massiv entlasten. Damit würde man etwas für den Arbeitsmarkt und gleichzeitig für den Umweltschutz tun.

Brigitte Doppler

Geschäftsführerin, Fahrschule Startup-Doppler

  • 04 Das Fahrzeug, das ein Fahrschüler während seiner Ausbildung verwendet, prägt seinen Zugang zur Mobilität. Je früher wir unsere Jugend mit der E-Mobilität vertraut machen, umso eher verhelfen wir dieser zum Durchbruch und schonen somit unsere Umwelt. Was gedenkt die Politik zu tun, um die E-Mobilität in der Fahrausbildung künftig salonfähig zu machen?

Anschober_Das ist ein ganz spannender Zugang. Ich bin sehr dankbar, dass Frau Doppler diese Idee thematisiert ¬- ich glaube, das ist derzeit nämlich noch kein großes Thema und ich werde es zum Anlass nehmen, mit dem Verkehrsministerium Kontakt aufzunehmen und zu schauen, ob wir eine Impulsinitiative starten können. Wir haben an Taxis, Busse und an alles Mögliche gedacht, was uns beim großen Start der Elektromobilität voranbringen kann – aber an die Fahrschulen de facto noch nicht. Das ist eine sehr wichtige Idee.

  • 05 Das größte Hemmnis bezüglich der Verwendung von Elektro-Fahrzeugen in der Fahrausbildung ist, dass die EU für die praktische Prüfungsfahrt Handschaltung und Kupplung vorsieht, damit eine Fahrerlaubnis ohne Einschränkungen erteilt werden kann. Somit scheiden Elektro-Fahrzeuge für die Ausbildung und Prüfung derzeit quasi aus. Was ist geplant, damit zukünftig Fahrprüfungen mit E-Autos zu einer uneingeschränkten Fahrerlaubnis berechtigen?

Anschober_Die Vorschrift ist mittlerweile eigentlich sehr veraltet, denn wenn ich als junger Mensch mit sechzehn gleich mit einem Elektroauto starten will, dann brauche ich das nicht mehr. Stimmt absolut!

  • 06 Die bestehende Infrastruktur an Ladestationen ist derzeit nicht ausreichend, um auch nur einen Bruchteil des PKW-Bestandes elektrisch zu laden. Wie sieht der Ausbauplan für Oberösterreich für die nächsten fünf Jahre aus?

Anschober_Ich glaube, dass wir spätestens 2020 eine wirklich flächendeckende Tankstellen-Infrastruktur brauchen. Für uns ist es völlig selbstverständlich, dass sich um’s nächste Eck eine BP- oder Shell-Tankstelle befindet, genauso selbstverständlich muss es bald sein, dass ich mein Elektroauto tanken kann. Das ist nicht nur deshalb notwendig, weil es den Bedarf gibt, sondern auch, weil es noch eine psychologische Kauf-Barriere für Elektrofahrzeuge gibt – viele haben Angst, dass es zu kompliziert ist, eine Tankstelle zu finden. Und ich glaube auch, dass wir spannende Kombinationsmodelle brauchen, denn ich benötige ja in meinem persönlichen Leben vielleicht dreimal pro Jahr eine Leistungskapazität über 500 Kilometer. Dann, wenn ich auf Urlaub fahre. Für den Alltag braucht der durchschnittliche Oberösterreicher 20 Kilometer Reichweite – die Leistungsfähigkeit umfasst mittlerweile ein Vielfaches dessen, was wir eigentlich tagtäglich brauchen. Von daher ist das gar nicht so sehr das Thema. Ein wichtiges Angebot wird sein, dass der Elektromobilitätsverkäufer auch anbietet, dass ich eine Sondernutzung für diese seltenen Notwendigkeiten pro Jahr haben kann. Das kann dann ja durchaus auch ein Verbrennungsmotor oder am besten ein Hybridauto sein, wo ich diese Sondernutzung problemlos verwirklichen kann.

Gerhard Wölfel

Geschäftsführer, BMW Motoren Steyr

  • 07 Große Herausforderungen verlangen nach fertig gedachten Lösungen. Diskutiert werden zur Zeit Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in Großstädten und die Abschaffung der Verbrennungsmotoren innerhalb weniger Jahre. Ist Ihrer Meinung nach diese Vorgangsweise realistisch und die beste Lösung für alle Betroffenen?

Anschober_Innerhalb weniger Jahre geht gar nichts, davon bin ich zutiefst überzeugt. Aber man muss früh beginnen, sehr klare, engagierte Ziele festzulegen, damit man die Umstellung innerhalb eines planbaren und berechenbaren Zeitraums schaffen kann. Aus meiner Sicht, und das sagen auch Vertreter aus der Automobilwirtschaft, ist eine Umstellung bis zum Jahr 2030/2035 machbar. Ein derartig engagiertes Ziel müssen wir auch ins Auge fassen, weil ja die Staatengemeinschaft in Paris bei der Weltklimakonferenz unterschrieben hat, dass es bis zum Jahr 2050 netto keine CO2-Emissionen mehr geben darf. Das ist ein enormes Ziel, das heißt, da brauchen wir ein planbares, berechenbares, schrittweises Umstellen unserer gesamten Wirtschaftsproduktion auf Klimaneutralität. Das ist eine riesige Herausforderung, etwa für die Planung eines Stahlkonzerns oder für die Automobilwirtschaft. Aber wenn wir diese Herausforderung früh genug angehen und uns ihr stellen, dann bin ich überzeugt davon, dass unsere Wirtschaftstechniker das mit Know-how und Innovationskraft auch schaffen werden.

  • 08 Wie können Sie dazu beitragen, die Verunsicherung zum Thema Diesel zu reduzieren? Was würden Sie einem Kunden sagen, der sich vor zwei Jahren einen sauberen, damals allen Normen entsprechenden EU5-Diesel gekauft hat und der nun fürchtet, dass er durch pauschale Dieselfahrverbote bestraft werden und sein Auto dadurch an Wert verlieren könnte?

Anschober_Die beste Sicherheit schaffen die Produzenten von Dieselfahrzeugen, indem sie Fairplay machen. Das war in der Vergangenheit teilweise nicht der Fall. Der große Dieselskandal schadet sicher der gesamten Automobilbranche, das ist überhaupt keine Frage. Das ist auch für uns ein großes Problem – wir hätten zum Beispiel in Oberösterreich keine Grenzwertüberschreitungen mehr, wenn die angegebenen Emissionswerte bei den Dieselmotoren tatsächlich der Realität entsprochen hätten. Für die Zukunft wird es einfach notwendig sein, dass man seriösere Tests macht und dadurch mehr Transparenz und Glaubwürdigkeit schafft. Der Konsument muss sich einfach darauf verlassen können, dass das Produkt X, für das der Emissionswert Y garantiert ist, tatsächlich diesen Normen entspricht – der legt ja auch viel Geld dafür hin. Die Glaubwürdigkeit wurde von der Branche selbst schwer beschädigt. Aus meiner Sicht wird es notwendig sein, dass es in allen Bereichen, wo diese Emissionsvorschriften nicht eingehalten wurden, zu Nachrüstungen kommt – ohne dass der Konsument belangt wird. Das ist jetzt die große Herausforderung, die die Automobilwirtschaft bestehen muss. Ich bin auch dafür, dass es eine Gleichberechtigung gibt, was die Besteuerung zwischen Benzin- und Dieselmotoren betrifft. Derzeit haben wir ja so etwas wie ein Dieselprivileg. Das wurde deswegen gestartet und vor vielen Jahren in Österreich eingeräumt, weil man davon ausging, dass Diesel umweltfreundlicher ist. Nachdem das mittlerweile sehr in Zweifel gezogen werden kann, glaube ich, dass eine Gleichberechtigung Sinn macht. Für die Zukunft ist es wichtig, dass es eine Nachrüstung sowie ehrliche Transparenz und Glaubwürdigkeit gibt, die man sich zurückerarbeitet.

  • 09 Umweltschutz ist ein Thema, das alle angeht und zu dem jeder Mensch persönlich beitragen kann und soll. Vom sauberen Straßenrand bis zur energieeffizienten Fabrik. Wie wichtig und notwendig sehen Sie den Dialog zwischen Politik und Wirtschaft, um im Bereich Umweltschutz die besten und richtigen Entscheidungen zu treffen?

Anschober_Ein ganz zentraler Schlüssel ist es, sich zusammenzusetzen und darüber zu reden, was machbar ist, was die Ziele sind und wie man zusammenhelfen kann, um diese Ziele zu erreichen. Meine Erfahrung ist, dass jeder Wirtschaftsmanager in den zentralen Führungspositionen im Regelfall Kinder hat oder Kinder liebt, und für die eine Welt hinterlassen will, die noch lebenswert ist. Die Prognosen zeigen, dass wir in Österreich bis zum Jahr 2100 ein Klima wie etwa in Südspanien haben werden, wenn wir den Umweltschutz nicht forcieren. Dann hätten wir über 100 Hitzetage pro Jahr und das würde bedeuten, dass wir unser gesamtes Leben völlig umstellen müssten. Ich glaube, dass das weder ein Umweltschützer noch ein Wirtschaftstreibender den nächsten Generationen antun will. Und damit wir dieses Worst-Case-Szenario vermeiden, müssen wir vor allem unsere Technologiekraft nützen, Visionen haben und rechtzeitig die Weichen stellen, damit es eben ein planbarer und berechenbarer Umstellungsprozess sein kann.

Gerhard Straßer

Landesgeschäftsführer, AMS Oberösterreich

  • 10 Welches Potenzial steckt Ihrer Meinung nach in den Migranten, die zukünftig auf den oberösterreichischen Arbeitsmarkt kommen?

Anschober_Es steckt viel Potential in ihnen. Die große Herausforderung ist, dieses Potential auch tatsächlich zu nützen. Wir haben einen Qualifikationscheck bei den in den oberösterreichischen Quartieren lebenden Asylwerbern gemacht. Da sehen wir, dass 20 Prozent sehr gut ausgebildet sind und gute Qualifikationen mitbringen. Wir brauchen schnelle Nostrifizierungsverfahren – sodass ihre mitgebrachten Qualifikationen rasch anerkannt werden. Das dauert derzeit viel zu lange, geht zu bürokratisch vor sich, es werden zu hohe Gebühren verlangt. Wir müssen hier wirklich verkürzen, beschleunigen, das fordert auch die Wirtschaft. Es ist mir ein großes Anliegen, dass wir diese Gruppe und insgesamt die Asylwerber viel rascher zur Beschäftigung zulassen, damit sie rascher eine Jobintegration schaffen können. Meine Forderung ist, dass wir die Mangelberufe generell für Asylwerber öffnen, sobald sie zum Beispiel sechs Monate lang Deutsch gelernt haben. Das wäre ein riesiger Fortschritt für die Asylwerber, aber auch für die Wirtschaft, die ja Arbeitskräfte in diesen Bereichen sucht. Das zweite Extrem, also die andere Seite, sind jene 20 Prozent der Asylwerber, die noch keine Alphabetisierung haben. Hier müssen wir unbedingt schnell mit der Qualifizierung starten – wenn diese Menschen einige Jahre unqualifiziert bei uns leben, dann wird es immer schwieriger, dass sie einen Zugang zum Arbeitsmarkt finden. Deswegen ist unser Ziel: Alphabetisierungsmaßnahmen, eine Basisausbildung und das Nachholen des Pflichtschulabschlusses in einem Gesamtpaket für diese Gruppe anzubieten. Dazu verhandeln wir gerade mit der Bundesregierung. Außerdem wissen wir, dass wir im Jahr 2020 rund 20.000 Facharbeiter in Oberösterreich suchen werden. Das Ziel muss also sein, dass wir möglichst viele Migranten mit positivem Asylbescheid in den Berufen der Facharbeiter unterbringen und für diese qualifizieren, weil das auch ein Standorterfordernis für Oberösterreich ist.

  • 11 Was waren die bisherigen Highlights bei der Zusammenarbeit von zahlreichen Organisationen in der Asylarbeit?

Anschober_Wie viele Stunden haben Sie Zeit? (lacht) Es ist eine ganz große Freude, wie toll dieses Netzwerk zusammenarbeitet – auf Landes-, Bezirks- und Gemeindeebene, wo es überall Steuerungsgruppen gibt, wo es in einer klaren Struktur eine sehr enge Zusammenarbeit der NGOs, der Interessensvertreter wie der Arbeiterkammer, der Wirtschaftskammer sowie des Arbeitsmarktservice und vieler Unternehmungen gibt. Das Erfolgsgeheimnis von Oberösterreich ist, dass hier eine sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit völlig über Parteigrenzen hinweg Realität ist. Ich glaube, da sind wir in Österreich am besten aufgestellt. Die schönsten Projekte sind jene, die wir im Bereich Arbeitsmarkt zusammengebracht haben. Es sind mittlerweile bereits 180 junge Asylwerber in Lehrstellen.

  • 12 Welche Entwicklungsmöglichkeiten sehen Sie kurz- bis mittelfristig im Bereich der Green Jobs?

Anschober_Hier sehe ich große Entwicklungsmöglichkeiten, weil Investitionen in die Energiewende sind nicht nur Investitionen in ein gutes Leben für die nächsten Generationen, dadurch entstehen auch neue Jobs - gerade wenn wir es schaffen, dass wir in manchen Bereichen Technologieführer sind. Und das haben wir in den letzten zwölf Jahren in Oberösterreich sehr gut aufgebaut, oberösterreichische Firmen sind im Bereich der Biomasse-Heiztechnologien, der Solartechnologien und auch der Wasserkrafttechnologien absolute Weltmarktführer. Das heißt, je stärker es durch den Pariser Weltklimavertrag in Richtung globalen Klimaschutz geht, desto stärker wächst dieser Markt und desto stärker sind damit auch unsere Chancen, in der größten boomenden Branche eine führende Rolle zu spielen. Und das schafft automatisch Arbeitsplätze. Derzeit sind wir im Übrigen laut der letzten Statistik bei gut 36.000 grünen Jobs in Oberösterreich. Es ist sehr schwer zu sagen, wie es in 20 Jahren sein wird, doch wenn wir jetzt von sechs Prozent ausgehen, dann bin ich mir sicher, dass wir deutlich über den Zehn-Prozent-Anteil am gesamten Beschäftigungsniveau Oberösterreichs kommen werden – und das wird nicht 20 Jahre dauern.

Christine Weixelbaumer

Geschäftsführerin, Projektagentur Weixelbaumer

  • 13 Glyphosat, Genmanipulationen, Atomkraftwerke rund um Österreich, zu hohe Feinstaubwerte in der Luft – was können Sie als Landesrat und allgemein unsere Politiker beeinflussen?

Anschober_Eigentlich sehr viel. Beginnen wir bei der Gentechnologie: Da haben wir uns vor fünfzehn Jahren in den Kopf gesetzt, dass wir in Oberösterreich auf die Aussaat von gentechnisch manipuliertem Saatgut verzichten wollen. Wir haben ein Verbotsgesetz verankert, welches die EU als nicht europarechtskonform deklariert hat. Gut, dachten wir uns, dann müssen wir die EU-Gesetze ändern. Wir haben Partner gesammelt und waren vor einem Jahr schließlich 65 Regionen in Europa, die alle ein Selbstbestimmungsrecht in der Gentechnologie gefordert haben. Mit dieser Kraft haben wir uns durchgesetzt. Das Europaparlament, die Kommission und der Rat haben ein Gentechnik-Selbstbestimmungsgesetz beschlossen. Das heißt, wir können heute als Region in Europa frei entscheiden, ob wir ein GVO-Saatgut verwenden oder nicht. Dieser mühsame Weg hat zwar fünfzehn Jahre gedauert, aber er zeigt, dass man die EU von unten gestalten kann. Deshalb starten wir jetzt den zweiten Anlauf mit derselben Strategie in Sachen Anti-Atom. Wir haben eine Allianz für einen schrittweisen europäischen Atomausstieg gegründet, wo wir ebenfalls versuchen, möglichst stark zu werden. Dabei geht es konkret um zwei Forderungen, die wir durchsetzen wollen: Einerseits, dass es keine Subventionen mehr für Atomenergie geben darf, das ist auch gut abbild- und begründbar im Wettbewerbsrecht der europäischen Union – es muss nur angewendet werden. Zweitens wollen wir erreichen, dass es keine Laufzeitverlängerungen mehr geben darf. Viele Betreiber von Atomreaktoren setzen jetzt darauf, dass sie zwar eine Betriebsgenehmigung für nur 30 oder 40 Jahre haben, wollen aber anschließend, wenn diese Zeit vorbei ist, trotzdem wieder um 20 oder 30 Jahre ansuchen – und das erhöht das Risiko ganz dramatisch. Glyphosat ist ein sehr guter Punkt, denn Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Wir versuchen, möglichst viele Bündnispartner zu bekommen – also NGOs, Mitgliedsstaaten -, die uns für ein Verbot von Glyphosat auf EU-Ebene unterstützen. Mein Appell geht an den österreichischen Umweltminister, der dann im Rat mitentscheiden kann und damit eine Stimme hat und am Tisch sitzt – er muss ganz klar in Richtung Glyphosatverbot gehen.

  • 14 Welche politischen Erfolge freuen Sie persönlich am meisten?

Anschober_Erstens der Erfolg, dass wir in Oberösterreich in Europa die ersten waren, die eine schwarz-grüne Regierungskoalition zustande gebracht haben, wo es auch um dieses Näherrücken der alten Pole Umwelt und Wirtschaft ging. Das hat recht gut funktioniert, ich glaube, nach zwei Jahren schwarz-blau sagen gerade jetzt in Oberösterreich viele: „Das war doch gut damals.“ Zweitens der Erfolg, dass wir Oberösterreich davor schützen konnten, dass Gentechnologie massiv flächendeckend verwendet wird. Und das Dritte, das mir im Augenblick viel Freude macht, ist das gesellschaftliche Zusammenhalten und das Miteinander im Bereich der Integration. Wir haben erstmals eine wirkliche Integrationsoffensive, das hat es in Oberösterreich nie gegeben. Das Schönste dabei ist, dass derzeit ganz viele Organisationen im Bereich der Zivilgesellschaft mitarbeiten und dass wir mittlerweile etwa 10.000 freiwillige Helfer haben, die alle einen Beitrag leisten. Deswegen stehen wir auch vergleichsweise sehr gut da.

Maria Reingruber

Eigentümerin, Tracht mit Stil

  • 15 Ein paar Jahre nach Ihrer Auszeit wegen eines Burn-outs: Wie schaffen Sie es, im Alltag nicht wieder in alte Muster zu fallen und die Achtsamkeit für sich selbst nicht zu verlieren?

Anschober_Das ist gar nicht so einfach. Denn sobald man ganz fit ist, vergisst man auch sehr schnell wieder. Das ist bei jeder Erkrankung so, egal ob das ein Beinbruch, eine Bandscheiben-Operation, ein Tumor oder ein Burn-out war. Das Wichtigste ist, die Lehren, die man daraus gezogen hat, in den Alltag zu implementieren. Ich versuche, ein paar Grundsätze sehr konsequent zu realisieren, mit ganz wenigen Ausnahmen. Zum Beispiel habe ich mir fest vorgenommen, dass ein Tag in der Woche frei von externen Terminen ist. Das ist mein Geheimrezept, um Balance zu finden. Solche Zeitfenster zum Energietanken sind genauso wichtig wie Termine im Tagesplan. Und ich habe ja einen Begleiter, der dafür sorgt, dass ich täglich drei-, viermal draußen bin. Auch wenn ich um Mitternacht nach Hause komme, wartet der Hund und ich muss noch raus und eine Runde gehen._

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