Die richtige Würze

F. Peter Mitterbauer lenkt als Vorstandsvorsitzender die Geschicke der weltweit tätigen Technologie-Gruppe Miba mit Sitz in Laakirchen. Katrin Zorn ist für den Aufbau eines neuen Technologiekompetenzzentrums für die Gleitlager- und Beschichtungsaktivitäten der Miba verantwortlich. In der Küche des Einrichtungshauses BAM.wohnen in Vorchdorf erfahren wir von den zwei Machern am Herd, was die richtige Würze für das Industrieunternehmen ist und wobei man sich schon mal die Finger verbrennen kann.

Zügig löst F. Peter Mitterbauer den Rehrücken aus. Man sieht, dass er das nicht zum ersten Mal macht. „Wenn ich ab und zu am Wochenende oder am Abend koche, dann hauptsächlich Wild. Dieses kaufe ich bei Jägern in der Region – da weiß ich dann wenigstens, wo es herkommt“, sagt Miba-Vorstandsvorsitzender F. Peter Mitterbauer. Lachend fügt der 43-Jährige hinzu: „Wenn es aber für meine beiden Kinder schnell gehen muss, dann kommen Spaghetti auf den Tisch.“ So schnell muss es heute aber nicht gehen und daher steht ein Wildgericht auf dem Rezept: Asiatischer Rehrücken mit Reis und Gemüse. Passend zum Familienunternehmen, das in der Region Oberösterreich mit den vier Standorten Laakirchen, Vorchdorf, Roitham und Aurachkirchen und einem Drittel der weltweit 7.500 Beschäftigten stark verwurzelt ist und sich zu einem weltweiten Industriezulieferer mit 27 Standorten entwickelt hat.

Interesse und Neugier

Mitterbauer bereitet das Wildgericht im Unterschied zu daheim, wo „entweder meine Frau oder ich in der Küche“ stehen, im Einrichtungshaus BAM.wohnen in Vorchdorf mit der Miba-Mitarbeiterin Katrin Zorn zu. Zorn ist froh, dass sich der Chef gleich dem Fleischzerlegen angenommen hat. „Ich bin in der Küche meist nur als Handlanger und nicht federführend tätig“, sagt die 38-Jährige und beginnt Zwiebel, Ingwer sowie Knoblauch für die Sauce zu schneiden. Anweisungen gibt es dabei vom Chef keine. Die Zusammenarbeit funktioniert ohne viele Absprachen, so wie man es auch im Unternehmen gewohnt ist. Bei der Miba werde freies und selbstständiges Arbeiten gefordert. „Wir nennen das fordernder Freiraum – ich kann frei arbeiten und daneben wird von mir erwartet, dass ich mich einbringe und für meine Projekte Verantwortung übernehme“, sagt Zorn. Für sie war das auch ein wesentlicher Grund, warum sie nach ihrem Doktorat bei der Miba zu arbeiten begonnen hatte. Für Leute, die sich in so einem Arbeitsumfeld wohlfühlen, würde die Miba einen idealen Arbeitgeber darstellen. Dazu Mitterbauer: „Es gibt natürlich Leitplanken und Eckpfeiler, aber in diesem Feld sollen sich unsere Mitarbeiter unternehmerisch frei bewegen. Wenn alle unsere Mitarbeiter so handeln, als wäre es ihr eigenes Unternehmen, dann erreichen wir gemeinsam viel besser unsere Ziele und Visionen.“ Dem Ziel, einen asiatischen Rehrücken mit Reis und Gemüse auf den Tisch zu bringen, sind Mitterbauer und Zorn mittlerweile schon wieder einige Schritte näher gekommen. Mitterbauer hat den Rehrücken bereits angebraten und mit Honig bepinselt. Jetzt wird es Zeit, die Beilagen vorzubereiten und dem heimischen Reh mit den richtigen Gewürzen einen asiatischen Geschmack zu verschaffen.

Im Unternehmen trägt Asien 16 Prozent zum Gesamtumsatz bei und eröffne durch das überproportionale Wachstum große Chancen. Die Miba produziert Sinterformteile, Gleitlager, Reibbeläge, Leistungselektronik-Komponenten sowie Beschichtungen und hat auch einen Sondermaschinenbau – insgesamt werden rund 50 Prozent in den Automotive-Bereich geliefert. „Unser Grundverständnis ist, dass wir in Europa für Europa, in Amerika für Amerika und in Asien für Asien produzieren“, erklärt Mitterbauer, warum das überproportionale Wachstum in Asien nicht auf Kosten von anderen Standorten gehe. 2007 wurde die erste Produktion in China eröffnet, mittlerweile gibt es zwei Standorte mit rund 1.000 Mitarbeitern dort und es werden gerade zwei zusätzliche gebaut, erklärt Mitterbauer, während er das Zitronengras mustert: „Das kenne ich nicht.“ So wie man aber im Unternehmen neuen Kulturen mit Interesse und Neugier begegnen müsse, nimmt sich Mitterbauer dem Zitronengras begeistert an und schon liegt es für die richtige Würze der Sauce in der Pfanne.

Breite Vielfalt

Als richtige Würze für das Unternehmen nennt Mitterbauer die Diversität. Es müsse gelingen, eine möglichst breite Vielfalt reinzubringen, und dafür brauche man Mitarbeiter verschiedener Altersstufen, Kulturen, aber auch Geschlechter. Besonders letzter Punkt sei für das technikorientierte und dementsprechend männerlastige Unternehmen wichtig. „Viele Studien belegen, dass in Gruppen mit beiden Geschlechtern ganz anders diskutiert wird und bessere Entscheidungen getroffen werden. Wir müssen in Zukunft daher überhaupt mehr Frauen ins Unternehmen und auch in relevante Positionen bringen“, sagt Mitterbauer und nennt als ein positives Beispiel dafür seine Kochpartnerin. Zorn leitet seit 2016 die Forschung und Entwicklung im gesamten Produktbereich Beschichtungen (Coating) und baut nun ein gemeinsames Technologiekompetenzzentrum für die Gleitlager- und Beschichtungsaktivitäten des Konzerns auf, mit dem ab 1. Februar mit einem weltweiten 40-köpfigen Team gestartet wird. Die raschen Veränderungen – Stichwort „E-Mobility“, wo man bereits viele Entwicklungsprojekte mit Kunden auf der ganzen Welt laufen habe – würden ein vernetzteres Arbeiten notwendig machen. Für die neuen Technologien brauche man viele Kompetenzen, beginnend bei Data Scientists bis hin zu Programmierern, und diese könne man durch die Bündelung der Forschungsaktivitäten zweier Geschäftsfelder besser aufbauen.

Zorn war immer schon technikinteressiert, studierte Chemie. „Mein großes Glück war, dass nie jemand in Frage gestellt hat, ob ich das als Frau überhaupt machen könne und ich habe mich auch immer völlig gleichbehandelt gefühlt“, erzählt Zorn und vergisst dabei fast auf den Reis am Herd. Schnell rührt sie noch einmal um und kann ein Anbrennen in letzter Sekunde verhindern. Doch wie ist das in der Forschung, läuft da immer alles glatt? „Wenn man in der Technik Vorreiter sein will, dann muss man auch riskante Dinge ausprobieren – aber auch den Mut haben, diese falls sie nicht funktionieren zu stoppen, damit nichts anbrennen kann“, erklärt Zorn. Die wichtigste Sache, die man in der Entwicklung verstehen müsse, sei, dass man sich nicht scheuen dürfe, Dinge zu beenden, wenn man draufkommt, dass etwas nicht funktioniert.

In der Küche hat in der Zwischenzeit die Herstellung der Sauce nicht ganz funktioniert, Mitterbauer erwischte zu viel Sojasauce. Er verzieht das Gesicht beim Verkosten und lacht: „Die habe ich jetzt ordentlich versojat.“ Zorn ist rasch mit Wasser und Honig zur Stelle und gemeinsam ist das Missgeschick schnell wieder beseitigt, sodass man sich ans Anrichten machen kann. Es braucht halt nur die richtige Würze._

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