Das Ende des Silodenkens

Digitaler Wandel: Das Ende des Silodenkens

Intelligente Roboter, Automatisierung und Digitalisierung erfordern flexibles, interdisziplinäres Denken und Arbeiten, sagt Stefan Müller, Leiter des Bereichs Strategie und Unternehmensentwicklung beim Robotik-Pionier Kuka. Ganze Ökonomien werden sich grundlegend verändern.

In Unternehmen, in der Gesellschaft, im Leben jedes Einzelnen: Der digitale Wandel hinterlässt schon jetzt überall seine Spuren. Die Zukunft verlangt ein Umdenken auf allen Ebenen, meint Stefan Müller. Als Vortragender beim Complexity Management Congress 2018 am 6. November in Aachen skizziert er eine Vision der Welt von morgen, in der Mensch und Maschine nicht nur bei der Arbeit, sondern auch im privaten Umfeld ständig miteinander interagieren. „Themen wie sensitive Robotik, einfache Nutzbarkeit, aber auch künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen beschleunigen diese Entwicklung.“

In Echtzeit kommunizieren Menschen, Maschinen und Produkte miteinander, die Datenmenge und die Komplexität steigen. „Lösungen sind heute vernetzt, intelligent und optimiert “, auch über Unternehmensgrenzen und klassische Hierarchien hinweg. Das verändert zunächst vor allem das Berufsleben, sagt Müller: „Interdisziplinäres Arbeiten ist wichtiger denn je, Silodenken wird abgebaut."

Selbstmanagement, Flexibilität und die Fähigkeit, mit heterogenen Teams zu arbeiten, spielen eine immer größere Rolle.

Stefan Müller Leiter Strategie und Unternehmensentwicklung, Kuka

Dadurch ändern sich auch die Anforderungen an die Mitarbeiter, argumentiert Müller: „Eine breite Ausbildung, kontinuierliches Lernen, Neugierde und Offenheit für neue Entwicklungen und Technologien. Sie müssen immer die Augen offenhalten und über den Tellerrand in andere, neue Bereiche schauen, in Zeiten des digitalen Wandels mehr denn je.“

Wirtschaft 4.0 als Chance

Digitalisierung, Automatisierung und Robotik spielen bei Kuka schon jetzt eine zentrale Rolle, will man doch bei der Wirtschaft 4.0 als Pionier voranschreiten. „Was ich spannend finde ist, dass sich selbst die Innovation wandelt“, so Müller. „Der deutsche Maschinenbau steht insbesondere für Technologie- und Produktinnovationen. Diese werden auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Mit zunehmender Ausrichtung von Unternehmen auf Wertschöpfungssysteme ist jedoch ein vermehrter Anteil von Innovationen im Bereich Vertrieb, Services, Systemen und Prozessen, aber auch Customer Experience zu sehen. Damit ändern sich auch die Träger der Innovation. Es braucht Partnerschaften über das traditionelle Netzwerk hinaus.“

Trotz aller Schwierigkeiten bei der Transformation sieht Müller den digitalen Wandel als große Chance für die Zukunft: „Digitalisierung ist in meinen Augen mehr als ein Instrument zur Effizienzsteigerung. Unmittelbare Potentiale sind Themen wie Produktivität, die Senkung von Betriebskosten oder Flexibilisierung, aber auch servicebasierte Geschäftsmodelle. Langfristig denke ich, dass wir uns auf strukturelle Veränderungen ganzer Ökonomien einstellen müssen.“