Was manager von nonnen lernen können

Klingt vielleicht politisch nicht ganz korrekt. Doch dahinter stecken fundierte Studien, die besagen, dass sich klösterliches Leben positiv auf Lebensqualität und Lebenserwartung auswirkt. Also ab ins Kloster? Muss nicht sein. Vieles lässt sich auch außerhalb der Klostermauern in den Alltag integrieren und kann wahre Wunder für Gesundheit, Leistungsvermögen sowie Erfolg bewirken. Amen, sagen dazu Experten aus Medizin, Psychologie, Humanenergetik und Forschung.

Ihr Terminkalender sieht eigentlich aus wie der eines Managers. Ordensschwester Beatrix Mayrhofer ist Präsidentin der Ordensgemeinschaften Österreich und damit viel unterwegs, reist von einem Termin zum nächsten, steht im Ordensdienst einer Schule, ihr Tag beginnt in aller Herrgottsfrüh und endet meist spätabends. Doch als sie zwischen zwei Terminen zum Interview in unsere Redaktion kommt, unterscheidet sie dann doch etwas Wesentliches von anderen Interviewpartnern, was gar nicht so sehr an ihrer Kleidung liegt (Schwarz ist schließlich auch in der Manager-Garderobe sehr verbreitet.) Aber dieses „Etwas“ hat nichts mit ihrem Aussehen zu tun. Es ist vielmehr die Art, wie sie hier sitzt. Das Handy in der Tasche verstaut, der Blick offen, hellwach und gleichzeitig besonnen, die Stimme ruhig und klar und in den Augen so ein Strahlen. Man sieht ihr irgendwie an, dass es ihr gut geht. Gut im Sinne von wirklich gut, glücklich und zufrieden, ruhig und aufmerksam. Wahrhaftig ein lebhafter Beweis also dafür, dass sich klösterliches Leben positiv auf Gesundheit und Wohlbefinden auswirkt. Wissenschaftlich bestätigt wird das von Studien wie jener von Marc Luy und anderen US-Forschern: Demnach schützt der klösterliche Lebensstil, der geprägt ist von einem geregelten, bewusst gestalteten Tagesablauf, Verzicht auf irdische Exzesse und Zeit für Besinnung, bis ins hohe Alter vor Krankheiten. In der Wirtschaftswelt weht hingegen ein anderer Wind – und keine Klostermauern schützen einen davor. Ausgebrannte Manager, die an Schlaflosigkeit, Rückenschmerzen und oft noch heftigeren Symptomen leiden, geben sich hier dem Leistungsdruck hin. So lange, bis sie entweder umkippen oder ihre Lebensqualität durch Krankheiten, psychische Belastungen und innerlichen Stress mehr und mehr abnimmt. Was uns zwangsläufig zu der Frage bringt: Was können sich Manager von Nonnen abschauen? Wie können sie sich in ihrer Welt Klostermauern aufbauen, die vor typischen Managerkrankheiten schützen? Im Interview mit Beatrix Mayr-hofer, Josef Macher, Michael Stingeder und Michaela Schöny kristallisieren sich genau zehn Maßnahmen heraus, bei denen es sich lohnt, sie aus dem klösterlichen Leben ins Manager-Leben aufzunehmen.

1. Gebot: Lebe im Rhythmus

„Es ist der Rhythmus, der uns Kraft und Ruhe gibt“, sagt Beatrix Mayrhofer. „Man hat seine Aufgaben und die fixen Zeiten in der Gemeinschaft und ebenso die eigene, persönliche Gebetszeit.“ Auch Michael Stingeder, diplomierter Humanenergetiker, erklärt sich den gesunden Aspekt des klösterlichen Lebens zum einen durch das Leben im Rhythmus der Natur. „Vierzehn Stunden durcharbeiten, das ist unnatürlich und negativer Stress, der sich ebenso negativ auf die Gesundheit auswirken kann.“ Ähnlich sieht es Josef Macher, Geschäftsführer der Klinik Diakonissen in Linz sowie Schmerztherapie-Spezialist. Er misst der Regelmäßigkeit im Alltag und Ritualen eine besondere Bedeutung zu: „Es muss nicht jeder Tag gleich sein, aber grobe Raster wie der Ablauf am Morgen, kleine Pausen zwischendurch und andere Regelmäßigkeiten geben Halt und Schutz vor Stress.“ Denn Leistungsdruck sei nicht per se etwas Problematisches, sondern lediglich der Umgang damit.

FAZIT_ Regelmäßiger Schlaf, bewusste Pausen für Essen und tägliche Rituale sind die Stützpfeiler, um einen gestressten Alltag gesund und leistungsstark zu meistern.

2. Gebot: Finde deine innere Ruhe

Jede Sekunde schicken unsere Sinne Millionen Eindrücke ans Gehirn – nur ein Bruchteil davon ist uns bewusst, der Rest landet im Unterbewusstsein. Amerikanische Studien gehen sogar davon aus, dass wir zu 90 Prozent vom Unterbewusstsein gesteuert werden. Aber ja, wer hat schon Zeit, sich neben all dem Stress auch noch um sein Unterbewusstsein zu kümmern? Und so liegen wir spätabends todmüde (aber wach) im Bett. Oder der Rücken schmerzt unerträglich, sobald die To-do-Liste abgearbeitet ist. Und irgendwann ist man völlig ausgebrannt - circa 500.000 Österreicher sind von Burn-out betroffen. Darunter kaum eine Nonne. Liegt es vielleicht daran, dass Nonnen ihr Unterbewusstsein tagtäglich pflegen, indem sie sich Zeit nehmen für Gebet und Meditation? Gut, aber welcher Manager hat denn Zeit und Raum dafür, eine Stunde aus dem Alltag auszusteigen, um ... nichts zu tun? „Es reichen zehn Minuten“, ist Stingeder überzeugt. „Einfach jeden Tag zehn Minuten hinsetzen, Gedanken vorbeiziehen lassen und sich nur auf die Atmung konzentrieren.“ Wichtig sei dabei, absolut nichts zu tun (nein, auch nicht joggen) und ungestört zu sein – also Handy ausschalten, Bürotür abschließen und Hinweis auf „Nicht stören“ geben oder aber gleich früh morgens nach dem Aufstehen einen ruhigen Platz suchen. Wann und wo auch immer - diese zehn Minuten seien es Wert und würden physisches sowie psychisches Wohlbefinden bringen. Das bestätigt auch die Gehirnforschung: Während dieser Stille wird die Gehirndurchblutung aktiviert, man verarbeitet unterbewusste Gedanken. Außerdem würde davon der gesamte Körper profitieren, ist Michaela Schöny, Psychologin am Kepler Universitätsklinikum, überzeugt: „Die Achtsamkeit spielt eine ganz entscheidende Rolle in der Behandlung von Burn-out-Patienten.“ Es gehe darum, eine bewusste Haltung einzunehmen und sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren, wahrzunehmen ohne zu bewerten. „Achtsamkeit bewirkt eine gleichmäßige Atmung, der Herzschlag vermindert sich, Schweißbildung und auch Blutdruck werden weniger. Und gleichzeitig wird das Immunsystem gestärkt“, so Schöny.

FAZIT_ Zehn Minuten tägliche Meditation beugen stressbedingten Krankheiten vor.

3. Gebot: Entwickle dein Bewusstsein

„Heute ist der beste Tag, das Bewusstsein zu entwickeln und zu schauen: Was ist der Sinn meines Lebens?“, sagt Michael Stingeder, der seinen Klienten in vier bis sechs Terminen ein Grundwerkzeug für die Entwicklung des Bewusstseins geben möchte. Fragen wie „Was sind die geistigen Lernaufgaben in meinem Leben, wie kann ich meinen Geist kultivieren, was ist mein Geist überhaupt, wie kann ich meine Intuition nutzen?“ stehen dabei am Programm. Oft sind es Manager, die den Weg in seine Praxis suchen – meist mit körperlichen Beschwerden, die sich nicht einfach mit einem Medikament wegschlucken lassen. „Der Körper ist ein gutes Messinstrument für Dinge, die im Geist nicht in Ordnung sind“, so Stingeder. Wer aber von früh bis spät von einem Termin zum nächsten hetzt und nebenbei zehn Dinge gleichzeitig macht, der hört die Hilfeschreie seines Körpers meist gar nicht. Erst wenn plötzlich der Druck nachlässt, abends oder im Urlaub, wird einem bewusst: Irgendetwas stimmt nicht. „Das ist das klassische Phänomen des Überlebenszustandes“, erklärt Macher. Das Gefährlichere überlagere das Einfachere. „Erst in der Auszeit merke ich, dass ich ständig schwitze, einen Hexenschuss habe oder blass bin. Manchmal wird der Druck auch so hoch, dass sich das auf die Bandscheiben niederschlägt und man einen Bandscheibenvorfall bekommt oder auch einen Herzinfarkt“, so Macher. Sinnfragen stellt man sich für gewöhnlich erst dann, wenn man dazu gezwungen wird – nach einschneidenden Erlebnissen oder lebensbedrohenden Krankheiten. Weil einem erst dann bewusst ist, wie sich unsere Entscheidungen auf unsere Gesundheit auswirken. „Auch in der Burn-out-Therapie geht es sehr stark darum, wieder zu lernen, bewusst wahrzunehmen. „Eine achtsame Haltung verankert einen im gegenwärtigen Erleben“, erklärt Michaela Schön.

FAZIT_ Wer bewusst lebt, der spürt die Signale seines Körpers rechtzeitig und stellt sich die entscheidenden Fragen für sein Leben freiwillig.

4. Gebot: Lebe deine Berufung

Wer das macht, was ihn (mit Sinn) erfüllt, der ist nicht nur gut dabei, sondern auch gesund. Und wieder sind Klosterschwestern ein lebender Beweis dafür: Niemand geht ins Kloster, weil es sich gerade eben so ergeben hat. Wer diese Entscheidung trifft, der fühlt sich dazu berufen. „Als Ordensleute wissen wir einfach, warum wir leben. Dieser Sinn gibt ungemein viel Kraft und Ruhe. Wir spüren den Sinn in der Tätigkeit, am Dienst, an unserem – wie wir sagen – Sendungsauftrag, den wir auch immer wieder ins Gebet mit reinnehmen“, erzählt Beatrix Mayrhofer. Und genau das sieht Josef Macher als die Hauptaussage der Nonnen-Studienergebnisse: „Schon in den alten Philosophien war die Sinnsuche die treibende Kraft der Menschheit.“ Er selbst habe das große Glück, sowohl als Arzt als auch als Geschäftsführer der Klinik Diakonissen Linz, sinnerfüllende Aufgaben gefunden zu haben. „Zum einen ist es das medizinische Begleiten von Menschen, zum anderen das Managen des Betriebes – das ja weit über das Finanzdenken hinausgeht, sondern vielmehr Gestalten und Ermöglichen ist. Das alles bringt mir Erfüllung.“ Nicht jeder spürt das auf diese Art und Weise – ist aber oft dennoch erfolgreich. „Doch plötzlich kommt die Frage: Für was?“, weiß Stingeder. Und das führe bei vielen in eine Leere. „Wofür bin ich auf der Welt? Diese Frage stellt man sich vielleicht genau dann, wenn man alles erreicht hat – Familie gegründet, beruflich erfolgreich, Schulden vom Haus abbezahlt. Dann ist da auf einmal die Frage nach dem eigentlichen Sinn im Leben.“ Stingeder ist überzeugt, dass man erst dann in seiner Mitte ist, wenn man seine Berufung lebt. Wie man diese erkennt? „Das hat viel mit Spirit zu tun – wobei spirituell in dem Fall konfessionsfrei zu sehen ist – es geht darum, meine Talente zu nutzen.“ Und das ist nicht neu. Schon die antiken Griechen wiesen darauf hin, dass nur jene Menschen ein glückliches, erfülltes Leben führen können, die wissen, was ihnen in die Wiege gelegt wurde und die diese Fähigkeiten auch leben.

FAZIT_ Wer seine Talente lebt, der wird dafür belohnt: mit Erfolg und Gesundheit.

5. Gebot: Definiere dich nicht über deine Leistung

Man nennt uns Leistungsgesellschaft. Und ganz ehrlich, wer definiert sich nicht über Leistung? Das merkt man schon daran, dass Patienten die Diagnose „Burn-out“ wesentlich besser annehmen als die eigentlich medizinisch richtige Bezeichnung „Depression“. „Burn-out assoziiert, dass jemand etwas geleistet hat. Depression klingt so passiv, damit will man sich nicht identifizieren“, weiß Psychologin Schöny. Schon in der Schule geht es um Leistung. Für gute Leistungen bekommt man gute Noten und obendrein vom Opa eine Belohnung. „Wir lernen von Anfang an, dass wir dann Anerkennung bekommen, wenn wir etwas geleistet haben. Damit verlernen wir, auf unsere Intuition zu hören. Was passiert nun, wenn wir vom Leistungsdenken gesteuert werden? Die Zufriedenheit lässt auf sich warten. Egal, wie viel wir erreichen, wir wollen immer mehr oder immer etwas anderes als das, was wir gerade haben. „Gier hängt stark mit dieser Haltung zusammen – vor allem perfektionistische Personen richten ihre Aufmerksamkeit auf Misserfolge statt auf Erfolge. Sie sehen nicht, was gut funktioniert, sondern nur die Fehler“, weiß Schöny. Damit wir uns weiter motivieren und weil wir ja gelernt haben, dass Leistung belohnt wird, belohnen wir uns selbst. Das kann zum Beispiel in Konsumwahn ausarten. Nach dem Kauf folgt ein kurzer, glücklicher Moment, der aber immer schneller verfliegt. „Die Frage ist: Was macht mich glücklich? Luxus ist schön zu genießen, wirklich glücklich macht er nicht. Man möchte immer mehr und mehr und wird immer weniger leicht zufrieden. Die Seele wird nicht satt von den Dingen. Die Seele wird nur satt von der Liebe“, sagt Ordensschwester Beatrix Mayrhofer. Sie mache immer wieder die Erfahrung, dass Menschen, die sehr viel besitzen, Gefahr laufen, todunglücklich zu sein. Wichtig sei, so Stingeder, zu erkennen, dass das Nachlaufen nach Belohnung nicht glücklich macht. Glücklich mache hingegen, wenn man fern vom Leistungsdenken weiß, welchen Fußabdruck man hinterlassen möchte. „Wenn es gelingt, in sich die Ruhe zu finden, dann wird auch die innere Zufriedenheit immer mehr werden. Dann hört auch dieses Suchen auf. Und auch das Suchtverhalten, egal ob Arbeits-, Ess- oder Kaufsucht“, so Stingeder. Die Gehirnforschung bestätigt übrigens, dass es keine Belohnung braucht, wenn die Begeisterung für das, was man tut, im Vordergrund steht.

FAZIT_ Definiere dich über deine Persönlichkeit.

6. Gebot: Übernimm Selbstverantwortung

„Wir sind selbst verantwortlich dafür, uns einen Filter zu schaffen: Was ist jetzt relevant, was kann bis morgen warten und was ist gar nicht relevant?“, so Mediziner und Manager Josef Macher. Wer im Job 200 Prozent gibt, in der Freizeit weitere 200 Prozent und sich nie erlaubt, nichts zu tun, der brauche sich nicht wundern, wenn sein Körper nicht mitspielt. Auch Michael Stingeder beobachtet, dass viele Menschen keine Selbstverantwortung übernehmen wollen und die Schuld lieber auf andere schieben. „Was sagen denn die anderen, wenn ich plötzlich mit meinen Kindern an einem Donnerstagnachmittag ins Freibad gehe? Das ist ein Auslagern von Verantwortung“, so der Humanenergetiker. Er ist überzeugt, dass man eine Firma auch und meist sogar besser führen kann, wenn man nicht nur Verantwortung für den Betrieb, sondern auch für sein Privatleben übernimmt. Teil der Verantwortung sei es ebenso, auf seine Gesundheit zu achten und schlichtweg vorzubeugen. „Man sollte sich bewusst sein, dass 85 Prozent der Todesfälle durch Schlaganfälle, Stoffwechselerkrankungen und Erkrankungen der Herzkranzgefäße hervorgerufen werden. Alles, was einen gefährden könnte – also Gefäße, Herz, Bauch, Nieren – kann man sich vorbeugend ansehen lassen“, erklärt Macher. „So ein Check dauert fünf Stunden. Und der lohnt sich, um danach mit gutem Gewissen nach Hause zu gehen, denn wenn alles in Ordnung ist, dann haben Sie eine hochprozentige Sicherheit, dass Sie gesund sind und gesund bleiben.“ Je nach Ausgangssituation (familiäre Belastungen, Beschwerden), sei es sinnvoll, sich mit circa 40 Jahren auf diese Weise durchchecken zu lassen.

FAZIT_ Schuld sind nicht die anderen. Die Verantwortung für uns selbst liegt bei uns selbst.

7. Gebot: Pflege deine Kraftquellen

Eine Stunde pro Tag. So viel Zeit nimmt sich Beatrix Mayrhofer mindestens für ihre Beziehungspflege. Denn wenn man so will, könnte man sagen, sie ist mit Gott verheiratet so wie viele einen Ehepartner haben. Aber wer nimmt sich täglich so viel Zeit für seinen Partner - also wirklich für die Beziehung, nicht nur für die alltäglichen Dinge, die man gemeinsam zu besprechen hat? „Ohne Zeit funktioniert keine Beziehung – das gilt für Menschen genauso wie für die Beziehung zu Gott“, erklärt die Ordensschwester. Und nur dann sei eine Beziehung eine wunderbare Kraftquelle, andernfalls wohl eher ein weiterer Kraftentzug. Dann lieber alleine leben? Psychologin Michaela Schöny sieht das Bedürfnis nach Bindung und Beziehung aber als eines unserer Grundbedürfnisse. „Wir empfehlen schon, in eine Beziehung einzusteigen. Diese muss nicht durch eine Partnerschaft gelebt werden, sondern kann auch durch andere zwischenmenschliche Beziehungen abgedeckt werden.“

FAZIT_ Beziehungen zählen zu wichtigen Kraftquellen. Aber nur dann, wenn man diese Beziehungen auch pflegt.

8. Gebot: Glaube an etwas und orientiere dich danach

„In Grenzsituationen sehnen sich die meisten Menschen nach Glauben. Wir leben das hier auf diese Weise, dass wir unsere Patienten nicht nur körperlich versorgen, sondern auch seelisch. Es kommt ja nicht einfach ein Knie zu uns in den OP-Saal, sondern ein ganzer Mensch", erzählt Josef Macher. Das beginne damit, dass der Patient von der gesamten OP-Mannschaft mit Namen begrüßt werde, sich jeder vorstellt und Ruhe eine große Rolle spielt. Er sehe seine Klinik nicht nur als exzellente Reparaturstätte, sondern auch als Ort, wo man sich sicher und geborgen fühlen kann. Josef Macher orientiert sich damit ganz klar an Werten, die für ihn wichtig sind. Wer hingegen ein Burn-out erlebt, habe meist den Blick auf Werte verloren, sagt Michaela Schöny. „Werte sollen Zielen immer übergeordnet sein, das ist ein Grundsatz“, erklärt Schöny. Das ist es auch, wozu Mayrhofer rät: „Sei dir einmal dessen gewiss, woran du überhaupt glaubst. Was nimmst du für dein Leben als gegeben an?“ Der Glaube gebe Orientierung, gerade auch in Wirtschaftsfragen, so die Ordensschwester weiter. „Geht es jetzt nur um Profit oder geht es um einen Profit, bei dem es auch den Menschen selbst gut geht dabei? Ich bin überzeugt, dass langfristig gilt: Dort, wo es den Menschen gut geht, geht es der Wirtschaft gut. Andernfalls geht es der Wirtschaft vielleicht auch gut, aber eben nur kurzfristig.“ Als Beispiel dafür erwähnt sie die Ausbeutung der Frauen in Bangladesch. Die Globalisierung habe den Trend beschleunigt, sich sehr danach zu orientieren, wo man noch günstiger produzieren kann und daher noch mehr Gewinn möglich sei. „Und das treibt dann Unternehmen mit ihrer Produktion in jene Länder, in denen die Umweltvorschriften wenig beachtet werden.“ Mittlerweile schlage das aber zurück und mache die Menschen auch nachdenklicher. „Die Frage nach der nachhaltigen Wirtschaft wird immer bedrängender, weil niemand mehr die Augen verschließen kann vor der Zerstörung der Umwelt“, sagt Mayrhofer. Da stehe die Wirtschaft vor einer enormen Aufgabe: „Nicht selber die Welt zugrunde zu richten, in der sie ihr Geld verdient.“ Große Konzerne schlecht reden, wolle sie aber keinesfalls. „Im Gegenteil – ich finde es wichtig, dass man zeigt, was ein großer Betrieb in einer Region leistet, wie wichtig er für die ganze Infrastruktur und das gesamte Zusammenspiel ist. Wir hören immer nur, welche Folgen es hat, wenn ein Unternehmen schließt.“

FAZIT_ Glaube gibt Hoffnung in schweren Zeiten. Und Orientierung in guten.

9. Gebot: Führe und lass dich führen

„Bleib dir selbst treu, hab keine Angst und vertrau darauf, dass du letztlich geführt wirst“, antwortet Mayrhofer auf die Frage, welchen Ratschlag sie Managern gern geben würde. Vielleicht entwickelt sich ja auch deshalb gerade der Trend, sich eine Auszeit im Kloster zu nehmen. „Das Reizvolle daran ist natürlich zum einen der Ausstieg aus dem Alltag, das Eintauchen in andere Abläufe ohne ständige Erreichbarkeit und das Weglassen von vielen Dingen, die uns tagtäglich begleiten. Das andere ist aber auch das Einsteigen in eine völlig andere Welt – weg von der ergebnisorientierten hin zu einer geistigen Welt“, sagt Macher.

FAZIT_ Vertrauen bringt Gelassenheit. Und Gelassenheit bedeutet, den Dingen auch einfach mal freien Lauf zu lassen.

10. Gebot: Sei dankbar

„Ja, die Studie stimmt“, sagt Beatrix Mayrhofer und lächelt. „Es geht mir gut. Auch deshalb, weil ich sehr dankbar bin, dass ich als Ordensfrau leben darf.“ Josef Macher sieht die Dankbarkeit als einen wesentlichen Grundstein zum Glücklichsein. „Sich die Demut zu erhalten, nichts als selbstverständlich zu sehen und den Sinn im Auge zu behalten, darum geht’s. Dann weiß ich automatisch, wie ich mit meinen Mitarbeitern, Kollegen und Kunden umgehe – nämlich so, wie ich es mir selbst wünsche.“

FAZIT_ Wer demütig bleibt, kann fliegen ohne abzuheben.

#Ähnliche Artikel

Mitarbeiter motivieren? Funktioniert nicht.

Na toll. Da kommt man mit großem Wissensdurst ins Büro von Führungskräftecoach August Höglinger und will für seine Leser ein für allemal klären, wie man seine Mitarbeiter zur Höchstleistung motiviert. Und dann das. Wir können Menschen nicht motivieren, meint er. Wir müssen nur aufhören, sie zu demotivieren.

WER WIRD MICH EINES TAGES BETREUEN?

Auch wenn das jetzige System funktioniert: Die aktuellen Modelle zur Betreuung alter Menschen werden irgendwann nicht mehr ausreichen. Der demografische Wandel fordert innovative Lösungen von der Gesellschaft und Politik – aber auch mehr Eigeninitiative von den Bürgern.

DER FAMILIEN-BAUTRÄGER

Seit zwölf Jahren schafft der Bauträger Lewog neuen Wohnraum für Menschen im oberösterreichischen Zentralraum, in der kurzen Unternehmensgeschichte konnte man zahlreiche Projekte verwirklichen. Als Erfolgsrezept sieht das Familienunternehmen seine kurzen Entscheidungswege und intensive Betreuung der Kunden.

Benzin im Blut

Seit drei Generationen verkaufen die Reichharts in Mauthausen BMWs und sind weit über die Landesgrenzen bekannt. Ein Besuch bei einer Familie, die Benzin im Blut hat.

Gutes Karma für Linz

Mit ihrem jungen Unternehmen „Good Karma Gastro“ haben sie die Linzer Sandburg umgesetzt und betreiben das Teichwerk an der JKU. Die Visionen der Gründer sind aber noch ambitionierter: Sie wollen das Lebensgefühl und die Fortgehszene in Linz nachhaltig verändern und verbessern.

Soziale Verantwortung. Aber echt.

Ein afghanisches Buffet in der Mitarbeiterkantine. Einen Tag an der Seite von Suchhunden nach Vermissten suchen oder in einem Sozialmarkt mitarbeiten. Wenn Unternehmen nicht nur Geld spenden wollen, um das Stichwort „soziale Verantwortung“ im Geschäftsbericht anführen zu können, sind sie beim Oberösterreichischen Roten Kreuz richtig. Bei der Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz wird soziale Kompetenz erlebbar. Ein Lokalaugenschein bei der Greiner Gruppe und dem Brillenhersteller Silhouette.

Was manager von nonnen lernen können

Klingt vielleicht politisch nicht ganz korrekt. Doch dahinter stecken fundierte Studien, die besagen, dass sich klösterliches Leben positiv auf Lebensqualität und Lebenserwartung auswirkt. Also ab ins Kloster? Muss nicht sein. Vieles lässt sich auch außerhalb der Klostermauern in den Alltag integrieren und kann wahre Wunder für Gesundheit, Leistungsvermögen sowie Erfolg bewirken. Amen, sagen dazu Experten aus Medizin, Psychologie, Humanenergetik und Forschung.

„... wo das Leben seinen Anfang nimmt und die Liebe niemals endet.“

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist in aller Munde. Ein Wertewandel in der Gesellschaft sorgt dafür, dass Familienfreundlichkeit von den Menschen immer stärker gefordert wird. Unternehmen reagieren vermehrt darauf, Familienfreundlichkeit wird zunehmend als Erfolgsfaktor gesehen. Es gibt aber noch viel zu tun.

VON ALTEN UND NEUEN TRIEBEN

Familienunternehmen sind das Herzstück der heimischen Wirtschaft: 80 Prozent aller Firmen in Österreich sind im Eigentum von Familien. Diese beschäftigen 70 Prozent der Arbeitnehmer und sind damit die größten Arbeitgeber im Land. Eine davon ist die Firma Holter mit 140-jähriger Familiengeschichte in Wels. Wir haben den Sanitär- und Heizungsgroßhandel mit Peter Humer, KPMG-Partner und Experte für Familienunternehmen, besucht und mit der fünften Eigentümergeneration über Chancen und Herausforderungen eines familiengeführten Betriebes gesprochen.

Affinitäten

Was haben der neue Geschäftsführer des führenden Autozubehörhändlers, die neue Landesrätin, der Chef der Austrian Business School und der Primar einer Psychiatrie-Klinik gemeinsam? Auf den ersten Blick ist es nur die Tatsache, dass sie beruflich erfolgreich sind. Aber es gibt noch etwas, das die vier Persönlichkeiten aus verschiedensten Branchen verbindet. Raten Sie!

Gerechtigkeitsfanatiker mit Liebe zu Zahlen

Sie versorgt hunderttausende Menschen im Zentralraum mit Wasser, regelt den öffentlichen Verkehr und steuert einen wichtigen Anteil zum Budget der Landeshauptstadt bei: die Linz AG. Generaldirektor Erich Haider wechselte nach seiner Wahlniederlage als Spitzenkandidat bei der Landtagswahl 2009 von der SPÖ in die Führungsetage des Unternehmens und ist mittlerweile Generaldirektor. Der passionierte Tarockspieler mit Faible für Effizienz und technische Innovationen will zahlreiche Großprojekte im oberösterreichischen Zentralraum vorantreiben.

„Es war immer mein Traum, ein eigenes Hotel zu führen“

1841 als Gasthaus erstmalig urkundlich erwähnt. Mittlerweile ein Viersterne-superior Hotel für Paare mit 116 Betten und ausgezeichnet als eines der besten Wellnesshotels Österreichs. Die Rede ist vom Viersterne-superior Hotel Guglwald im Mühlviertel, das aktuell in sechster Generation von einem der jüngsten Hoteliers der Branche geführt wird.

Von Bären, Honig und viel Unternehmergeist

Dass Bären Honig lieben und dafür sogar Bienenstiche in Kauf nehmen, wissen wir spätestens seit dem kleinen, tollpatschigen gelben Bären aus dem Hundert-Morgen-Land – dem Helden aus Kindertagen: Winnie Puuh. Florian Zagler hat den Zusammenhang von Bären und Honig für den Namen und die Marke seines Unternehmens genutzt. Das Ergebnis: bärenstarke Produkte.

Mit dem Oldtimer in Richtung Freiheit

Das gewohnte Umfeld verlassen, für ein paar Stunden abschalten und Kraft tanken: Für USP Außenwerbung-Geschäftsführer Christian Urban gibt es nichts Schöneres, als sich gemeinsam mit Firmenhund Zookie in seinen Mercedes SL 280 zu setzen und neue Orte zu entdecken.

Wie man (im Tourismus) gewinnt

Eigentlich müsste es doch ganz einfach sein. Wer am schnellsten ist, gewinnt. Im Sport, in der Wirtschaft und generell im Leben. Gerade er hat das mit 19 Weltcupsiegen und zwölf Jahre lang als einer der erfolgreichsten Skirennläufer der Welt bewiesen: Michael Walchhofer. Doch als wir ihn in Zauchensee in einem seiner drei Hotels, die er gemeinsam mit seinem Bruder führt, treffen, dementiert er das. Und erklärt, worauf es wirklich ankommt, wenn man gewinnen will.

Vorne dabei sein ist alles. Oder: Gold für Alu

Zweiter zu sein, ist ihm zu wenig. Helmut Wieser weiß, wie man gewinnt - im Sport ebenso wie in der Wirtschaft. Und eigentlich braucht es in beiden Fällen das Gleiche: eine Vision, ein Team, Ausdauer, Umsetzungskraft sowie einen verdammt starken Willen. Letzteres bewies der Vorstandschef des Aluminiumkonzerns Amag schon als kleiner Junge: „Ich will bei den Olympischen Spielen teilnehmen“, beschloss er damals. Und erreichte sein Ziel. Heute sagt er: „Wir wollen der wichtigste Spezialanbieter für unsere Produkte weltweit sein.“ Wenn man sich seinen Karriereweg ansieht, bleiben keine Zweifel, dass er auch dieses Ziel erreichen wird. Ein typischer Macher also. Oder etwa nicht?

AFFINITÄTEN

Eine Gemeinsamkeit der vier unterschiedlichen Persönlichkeiten aus Österreichs Wirtschaft ist offensichtlich: Sie sind alle vier höchst erfolgreich, wenn auch in ganz anderen Branchen. Aber was haben sie noch gemeinsam? Dass sie am Bauernhof aufgewachsen sind? Dass sie ein Elektro-Auto fahren? Dass sie den Sommerurlaub heuer in Österreich verbringen? Oder dass sie täglich Sport machen? Raten Sie!

SAGEN SIE MAL, WIE WIRD MAN EIGENTLICH EIN MACHER?

Oder anders gefragt: Was liegt in unseren Genen? Und was haben wir selbst in der Hand? Wird man zum Gewinner geboren oder kann jeder einer werden? Wie holt man das Beste heraus – aus seinen Mitarbeitern, aus seinen Kindern, aus sich selbst? Fragen, die wohl keiner so gut beantworten kann wie jener Mann, der sich seit Jahrzehnten damit beschäftigt: Genetiker Markus Hengstschläger. Wir treffen uns mit ihm im Traditionscafé in Wien, unweit seines Instituts für Medizinische Genetik an der Medizinuni Wien.

Über Hürden und Kisten zum Erfolg

Ilse und Günter Achleitner zählen zu den Bio-Pionieren in Österreich. 1990 stellte das Ehepaar den von den Eltern übernommenen Bauernhof auf Bio um. Die folgenden Jahre sind eine Erfolgsgeschichte mit schnellem Wachstum. Die Zahlen sprechen für sich. Von manch schweren Zeiten haben sich die Eigentümer vom Biohof Achleitner in Eferding dabei nicht aufhalten lassen.

DIE MUT-MACHER

Wer sich selbstständig machen möchte, braucht Mut. Und die Bereitschaft, sich von anderen Rat zu holen. Darüber sind sich Bernhard Aichinger, Corinna Lindinger und Christoph Heumader einig. Sie wissen, wovon sie reden, schließlich sind sie selbst erfolgreiche Unternehmer, die schon Herausforderungen wie Gründung oder Nachfolge gemeistert haben. Diese Erfahrungen wollen sie weitergeben – als neuer Vorstand der Jungen Wirtschaft (JW).