„Nicht alles lässt sich planen“

Seit mehr als 30 Jahren ist Andreas Mitterlehner im Bankwesen tätig, die vergangenen dreizehn Jahre davon als Generaldirektor der Hypo Oberösterreich. Viele Höhen und manche Tiefen hat er in dieser Zeit miterlebt, die ihn persönlich geprägt haben. Dabei wäre es fast ganz anders gekommen.

Denn ursprünglich wollte Andreas Mitterlehner Rechtsanwalt werden. Nach seinem Studium der Rechswissenschaften an der Johannes Kepler Universität fand er aber keinen Platz in einer Kanzlei. „In meinem geburtenstarken Jahrgang war es schwierig, es hat sich einfach keine Möglichkeit ergeben“, sagt er. Stattdessen wurde ihm eine Stelle bei der Raiffeisenlandesbank angeboten, die sich damals gerade im Aufbau befand. Mitterlehner nahm an, um Berufserfahrung zu sammeln und auf eigenen Beinen zu stehen, wie er heute sagt. Ohne Wirtschaftsstudium und HAK-Abschluss sei es am Anfang manchmal schwer gewesen für ihn. Heute bereut er aber nicht, wie es damals gekommen ist. Kein Wunder: Bei der RLB arbeitete er sich schnell zum Leiter der Kommerz- und dann zum Leiter der Industriekunden hinauf, 1999 wechselte er zur Hypo Salzburg, wo er nach nur einem Jahr stellvertretender Vorstandsvorsitzender wurde. 2004 ging es zurück nach Linz – als Generaldirektor der Hypo Oberösterreich.

„Haben heute zu viele Regeln“

In all den Jahren hat sich das Bankwesen massiv verändert. „Der größte Einschnitt war die Finanzkrise vor zehn Jahren, wo uns allen vor Augen geführt wurde, dass das Finanzsystem auf sehr dünnen Füßen gestanden ist“, erinnert sich Mitterlehner. Die Folge: Eine Vielzahl neuer Regeln und starke Bürokratisierung des Geschäfts. Eine zu starke, wenn es nach dem Generaldirektor geht. „Wenn man selbst immer solide gearbeitet hat und keine zusätzlichen Regeln gebraucht hätte, ist es emotional her-ausfordernd, diese neuen Strukturen anzunehmen“, sagt er. Heute müssen selbst bei traditionellen Produkten unzählige Unterschriften und Bestätigungen eingeholt werden. „Und wenn man plötzlich einen langjährigen Stammkunden beim Abschluss eines Geschäfts fragen muss, ob er denn einen gültigen Reisepass mithat, um sich zu legitimieren, gibt es schon oft Erklärungsbedarf.“ Den gab es auch beim Skandal rund um die Hypo Alpe Adria. „Damals waren viele unserer Kunden verunsichert wegen des ähnlichen Namens, zur Verunsicherung haben auch viele Medien mit der Berichterstattung beigetragen“, sagt Mitterlehner. Wieder muss der Generaldirektor Krisenmanagement betreiben – ohne etwas falsch gemacht zu haben. „Wir haben tausende Kunden überzeugt, dass wir mit der aktuellen Krise nichts zu tun haben“, sagt er. „Weil wir das aus tiefster Überzeugung heraus gemacht haben und unsere völlig anderen Werte erklärten, haben wir keinen einzigen Kunden verloren.“ Die Werte der Hypo Oberösterreich: Für Mitterlehner sind einerseits Vertrauens- und Glaubwürdigkeit wichtig. Gleichzeitig gelte es, mit guter Transparenz Verunsicherungen vorzubeugen. Mit Risiken müsse sensibel umgegangen werden. Gute Banken hätten die Verantwortung, nicht jede Finanzierung möglich zu machen, sondern auch nein sagen zu können. Wichtig ist außerdem der Blick auf Zukunftsentwicklungen. „Wir sind ein Dienstleistungsunternehmen, das auch höchst innovativ sein muss“, sagt er. In schnelllebigen Zeiten gelte es vor allem, den roten Faden der Kundenbindung nie aus den Augen zu verlieren.

Fachmagazine statt Romane in der Freizeit

Etwa 60 Stunden pro Woche arbeitet Mitterlehner im Schnitt. Arbeit sieht er nicht als Mittel zum Zweck, sondern als wichtigen Teil seines Lebens. Wie gehen sich da noch Hobbys und Leidenschaften aus? Darauf antwortet er genau so, wie man es von einem Generaldirektor erwarten würde: „Im Sinne eines erfolgreichen Zeitmanagements bleibt Zeit, persönliche Interessen zur Realisierung zu bringen.“ Diese persönlichen Interessen sind Familie und Bekanntenkreis, gutes Essen, Reisen und – falls das Zeitmanagement erfolgreich genug ist – Sport. Zur Entspannung und Horizonterweiterung liest Mitterlehner gerne. Auf Nachfrage fällt ihm aber nicht gleich ein kürzlich gelesener Roman ein – dafür eine Sammlung an Fachliteratur. „Eigentlich beschäftige ich mich auch in der Freizeit am liebsten mit der Wirtschafts- und Finanzbranche und versuche, mich weiterzubilden“, gibt er zu und lacht. Besonders wichtig ist ihm höchste Konsequenz bei der Verfolgung von Zielen. „Das rate ich auch jungen Menschen, die beruflich erfolgreich sein wollen – ansonsten wird es schwer, etwas zu erreichen“, sagt er. „Karriere ist nichts anderes als das Ergebnis der eigenen Leistungsorientierung. Am besten geht man mit einem entsprechenden Optimismus in das Berufsleben, mit Selbstvertrauen, aber auch mit dem Willen, mit anderen zusammenarbeiten und von ihnen zu lernen." Durchplanen könne man seine Karriere mit 20 oder 25 Jahren ohnehin nicht endgültig – dazu gäbe es zu viele ungewisse Faktoren. „Es ist aber auch positiv, wenn man mit 25 Jahren noch nicht weiß, wie das Leben mit 50 aussieht – das wäre ja auch etwas langweilig.“ Er muss es wissen: Schließlich hätte sich der Student Andreas Mitterlehner während seines Jus-Studiums an der JKU wohl kaum träumen lassen, einige Jahrzehnte später als Generaldirektor die Hypo Oberösterreich zu leiten.

Karriere ist nichts anderes als das Ergebnis der eigenen Leistungsorientierung.

Andreas MitterlehnerGeneraldirektor, Hypo Oberösterreich

Die Hypo Oberösterreich

Gegründet_ 1890

Mitarbeiter_ 404

Spezialisierungen_ Wohnbau, Veranlagungen

Im vergangenen Geschäftsjahr wurde die Hypo zum dritten Mal in Folge als beste Universalbank Österreichs geratet, zudem erhielt man erstmals ein Nachhaltigkeitsrating. Ein Jahresüberschuss von 51,9 Millionen Euro bedeutete das beste Ergebnis der Firmengeschichte.

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