BikerSOS
BikerSOS erkennt, wenn der Benutzer mit dem Motorrad gestürzt ist – und alarmiert die Angehörigen oder eine Notrufzentrale.
Die Unternehmensgründer Werner Richtsfeld und Christian Indra sind begeisterte Motorradfahrer. Dass es das Unternehmen heute überhaupt gibt, liegt vermutlich an Indras Freundin: Sie wollte nicht, dass er alleine einen Motorradurlaub macht. Aber auch Richtsfeld Eltern waren alles andere als begeistert, als sie hörten, dass sich ihr Sohn ein neues Motorrad gekauft hatte. „Wir haben dann überlegt, was wir machen können, damit wir doch fahren dürfen“, sagt Richtfeld und lacht. Die beiden bauten einen Crash-Dummy und testeten und testeten – von Mai 2015 bis Juli 2016, dann gründeten sie die Firma. Schließlich gelang es ihnen, dass die App die Daten aus GPS- und Beschleunigungssensoren richtig auswertet und erkennt, wenn der Fahrer stürzt.
Mittlerweile wurde BikerSOS mehr als 35.000 mal heruntergeladen. „Je nach Wetter benutzen 200 bis 4.000 Menschen die App gleichzeitig“, sagt Richtsfeld. In der Basis-Variante alarmiert die Unfallerkennung einen eingespeicherten Notfallkontakt, in der Premiumvariante wird automatisch eine Notrufzentrale alarmiert, die dann Rettungsdienste vor Ort alarmiert. „Mittlerweile gibt es auch eine Live-Tracking-Funktion, mit der etwa Angehörige mitverfolgen können, wo sich der Fahrer gerade befindet“, so Richtsfeld. Neben drei Gründern arbeiten zwei Mitarbeiter an der App, welche demnächst in sieben Sprachen übersetzt werden soll. Ziel ist die Internationalisierung und Erschließung neuer Märkte. Schon jetzt ist die App in der gesamten EU, Kanada, den USA und Australien verfügbar. Auch weitere (kostenpflichtige) Funktionen, wie etwa eine Offline-Map für die Motorradfahrer, sind geplant. „Die Alarmierungs-Funktion wird aber immer kostenlos bleiben“, sagt Richtfeld.
Aus dem geplanten Motorradurlaub wurde für die beiden übrigens nichts: Das Arbeiten an der App waren einfach zu zeitaufwendig. Richtsfeld: „Hin und wieder geht sich aber schon eine Ausfahrt aus.“
"Mit der Live-Tracking-Funktion kann genau mitverfolgt werden, wo sich der Fahrer gerade befindet."
Werner RichtsfeldGründer, BikerSOS
Global Event Technologies
Das Salzburger Start-up Global Event Technologies revolutioniert das Bezahlsystem bei großen Musikfestivals und Sportveranstaltungen – und profitiert dabei von der Registrierkassenpflicht.
„Wir sind seit zehn Jahren im Veranstaltungsbereich tätig und organisieren unter anderem das Electric Love-Festival“, sagt Global Event Technologies-CEO Tim Moser. Dort merkten die Gründer: Den Getränkeverkauf bei bis zu 50.000 Gästen bar abzuwickeln, ist extrem aufwendig. „Wir haben dann beschlossen, ein digitales Zahlungssystem für unsere Gäste zu entwickeln“, sagt Moser. Ein Jahr dauerte die Entwicklung, nach einem Testevent mit etwa 1.000 Besuchern wurde das Bezahlungssystem direkt beim Electric Love eingesetzt. Besucher können Guthaben direkt auf RFID-Karten oder Festival-Armbänder laden und damit dann bargeldlos bezahlen. Das spart dem Veranstalter nicht nur Zeit – auch das Konsumverhalten kann genau analysiert werden. Praktisch: Das System funktioniert offline, vor Ort werden keine Server benötigt. Auch die neue Registrierkassenpflicht spielte den Unternehmern in die Karten.
Im vergangenen Jahr konnte Global Event Technologies fast alle großen Festivals in Österreich von ihrem Produkt überzeugen – mit dem Novarock auch das größte. Mittlerweile läuft die Ausdehnung auf ganz Europa. „Und zwar nicht nur auf Festivals, sondern auch bei Sportveranstaltungen und Messen“, sagt Moser, „praktisch überall, wo viel gekauft wird, zahlt es sich aus.“ Wie erklärt er sich den Erfolg des Produkts? „Erstens hatten wir mit dem Electric Love Festival eine tolle Referenz“, sagt er, „und zweitens haben uns die Erfahrungen der Mitbewerber geholfen, die noch ältere und verwundbare Technologien verwendet haben.“ Das Bezahlsystem von Global Event Technologies hingegen wurde vom Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG genau getestet. „Nach jetzigem Stand haben sie dabei keine Fehler gefunden“, sagt Moser.
"Wir haben von den Erfahrungen der Mitbewerber profitiert."
Tim MoserCEO, Global Event Technologies
Dots
Ab Mitte des Jahres sollen sie in ganz Linz zu finden sein: digitale Pappaufsteller. Entwickelt haben diese Felix Freudenhammer, Lukas Hofstätter und Michael Horner mit ihrem Linzer Start-up Dots und der gleichnamigen App.
„Die Idee für die App ist entstanden, als wir auf dem Parkplatz der Fachhochschule gestanden sind und auf die Autos geschaut haben. Wir haben uns gedacht, dass es doch sehr praktisch wäre, wenn man jemandem eine digitale Nachricht zum Auto legen könnte, die er am Handy lesen kann, wenn er zu seinem Auto kommt und die danach wieder verschwindet“, erzählen Felix Freudenhammer und Lukas Hofstäter. Während ihrer Studienzeit ist die Idee gereift und auch noch Michael Horner ins Gründerteam dazugekommen: Nach ihrem Studienabschluss im Sommer 2016 haben die drei das Start-up gegründet und sich Vollzeit in die Arbeit gestürzt. Als Firmenstandort haben sie Linz ausgewählt, weil durch die Fachhochschule Hagenberg „extrem kluge Köpfe“ vor Ort seien und man diese für eine langfristige und gute Entwicklung des Unternehmens brauche. Außerdem müssten sie mit der App einmal in einem kleinen Raum starten und dafür sei Linz als hochfrequentierte Stadt mit einem guten Netzwerk perfekt geeignet.
Nun ist die App fertig und die drei stehen kurz vor der Veröffentlichung im Raum Linz. Wenn sich Personen die App auf ihr Smartphone runterladen und damit in der Öffentlichkeit bewegen, bekommen sie an gewissen Punkten automatisch Nachrichten von Unternehmen zugesandt. Firmen können durch Dots vor ihrem Geschäft oder auch in der Umgebung Angebote digital platzieren. „Wir haben den digitalen Pappaufsteller erfunden“, fasst Freudenhammer die Idee zusammen. Die Unternehmen können Zeit und Ort ihrer Angebote an die Konsumenten frei wählen und die App-User können die Nachrichten nach ihren persönlichen Interessen filtern. Die Gründer sind aktuell noch auf Kundensuche, als erste Kunden können sie bereits das Kunstmuseum Lentos und den Posthof nennen.
Sobald eine gewisse Kundendichte erreicht ist, wird mit der Plattform gestartet – ab Mitte des Jahres soll es soweit sein. Später wollen die drei Gründer die App in weiteren deutschen Städten auf den Markt bringen, vergleichbare Unternehmen würden sich bisher auf Instore-Navigation fokussieren. Die Gründer verkaufen ihre Technologie auch an große Unternehmen, die diese dann in ihre bereits bestehenden Apps einbauen können. Generell biete Dots kleinen Geschäften die Möglichkeit, im Bereich der immer wichtiger werdenden digitalen Werbung kostengünstig etwas zu machen. Es habe sich aber gezeigt, dass sich große Firmen leichter überzeugen ließen und man diese an Bord haben müsse, damit auch kleinere Unternehmen auf den digitalen Pappaufsteller aufspringen würden.
"Wir haben den digitalen Pappaufsteller erfunden."
Felix FreudenhammerGründer, Dots
Hello again
Die Geldtasche quillt über mit den vielen Kundenkarten. Wenn man dann einmal eine bestimmte Karte beim Bezahlen an der Kassa sucht, versteckt sich diese ganz hinten oder ist gar nicht zu finden. Dann räumt man die gesamte Geldtasche aus und kann nach dem Einkauf alle Karten wieder mühsam hineinstopfen. Hinzu kommt die spürende Ungeduld der anderen Kunden. Mit dem Start-up „Hello again“ könnte diese ärgerliche Situation schon bald der Vergangenheit angehören. Franz Tretter will die digitale Kundenbindung revolutionieren.
ranz Tretter ist kein Unbekannter in der Unternehmerwelt. Vor dreizehn Jahren hat er gemeinsam mit zwei Kollegen die Internet-Plattform Szene1 gestartet und groß gemacht. In der erfolgreichsten Zeit zählte das Unternehmen 37 Mitarbeiter. Im März des heurigen Jahres gründete er seine neue Firma „Hello again“. Das Start-up bietet maßgeschneiderte Apps für Unternehmen zur digitalen Kundenbindung an. Kundenkarten, die man vergessen kann und wofür im Geschäft wieder extra ein Zettel ausgefüllt werden muss und Daten eingegeben werden müssen, werden damit hinfällig. Die Unternehmen könnten dank der App eine „eigene Kunden-Community“ aufbauen. Kundendaten könnten bequemer gesammelt und gezielter für Marketingmaßnahmen genutzt werden. „Für Unternehmen ist es ein riesengroßer Wert, wenn sie endlich wissen, wer ihre Kunden sind. Wir revolutionieren die digitale Kundenbindung“, hat Tretter große Pläne.
Die Idee für die App ist ihm gekommen, nachdem er vor rund vier Jahren für ein Salzburger Geschäft eine Kundenkarte auf NFC-Basis mit Chip programmiert hatte. „Ich habe danach gesehen, dass klassische Kundenkarten viel zu kompliziert sind und mir gedacht, das könnte man mit einer App wesentlich besser umsetzen“, so Tretter. Einer der ersten Kunden war danach die Linzer Remembar: „Wir packten die VIP-Karte in eine App rein. Die Besucher können mit jedem Eintritt Punkte sammeln, ohne jemals ein Formular ausfüllen zu müssen.“
Prominente Unterstützung
Der 33-Jährige baute das Start-up langsam neben seinem Job bei Szene1 und einer dreijährigen Consulting-Tätigkeit bei Runtastic auf. „Zeitlich alle Bälle in der Luft zu halten war oft sehr schwierig und zum Schluss kaum noch machbar“, erinnert sich Tretter zurück. Im Herbst vergangenen Jahres beendete er seine Tätigkeit bei Runtastic und bekam dabei eine Reaktion von Gründer Florian Gschwandtner, die er so gar nicht erwartet hätte. Dieser schlug gleich vor, ihm das Projekt näher vorzustellen, um eventuell zu investieren. Und es hat geklappt, die vier Gründer der Fitness-App Runtastic, Florian Gschwandtner, René Giretzlehner, Christian Kaar und Alfred Luger, sind mit zwölf Prozent an der Gesellschaft beteiligt. Weiters ist Tretters Onkel, Hubert Tretter, ebenfalls mit zwölf Prozent an Hello again beteiligt. Dieser war zuvor unter anderem im Vorstand bei der Brau Union. „Durch die Gesellschafterstruktur hat Hello again technisches Know-how durch Runtastic, Management-Know-how durch meinen Onkel und Community-Know-how durch die langjährige Erfahrung bei Szene1“, sagt Tretter.
Hello again habe bereits für mehr als 100 Kunden eine App programmiert, damit diese „die Kunden direkt ansprechen und damit einen wiederkehrenden Kontakt schaffen können“. Zu den Kunden von Tretters Start-up gehören etwa Claro Geschirrspülmittel, Haka Küchen, Freistädter und Villacher Bier, Leberkas Pepi, die Linzer Remembar und Coiffeur Vogl in Linz.
Erfahrung mit Rückschlägen
Sein erstes Baby „Szene1“ habe er seinem Kollegen überlassen können, weil er „so extrem von der Vision der neuen Firma getrieben“ sei. „Ich habe einen sehr starken Unternehmergeist und haue mich jetzt 100 Prozent in mein neues Projekt rein“, sagt der Unternehmer und sprüht dabei voller Begeisterung. Vor Herausforderungen und Rückschlägen hat Tretter keine Angst. Damit habe er bereits Erfahrung, bei Szene1 sei auch nicht jeden Tag alles easy-cheesy gewesen: „Das weiß man von Anfang an, wenn man sich entschließt, ein Unternehmen zu gründen. Es gehört dazu, dass etwas nicht immer so läuft, wie man sich das vorstellt.“
Aktuell scheint aber alles so zu laufen, wie sich Tretter das vorstellt: Hello again beschäftigt mittlerweile sieben Mitarbeiter – darunter drei Programmierer und Personen für Verkauf, Marketing, Design und Projektmanagement. Anfang des Jahres wurde ein Büro neben der Plus City in Pasching bezogen. Hello again hat dort mit Runtastic und Tractive zwei prominente (ehemalige) Start-up-Nachbarn, die gezeigt haben, wie man in Österreich und über die Ländergrenzen hinaus erfolgreich ist. Und über die Ländergrenzen hinaus will auch Franz Tretter mit Hello again: „Wir werden am Ende des Tages unser Geschäftsmodell in ganz Europa ausrollen. Jetzt starten wir einmal in Österreich, dann folgt Deutschland.“ Am Markt für digitale Kundenbindung tue sich laut Tretter viel. Die Konkurrenz fürchtet er aber nicht – ganz im Gegenteil: „Ich hoffe, dass etwas in Bewegung kommt, weil dann bekomme ich die Bestätigung, dass wir in einem guten Geschäftsmarkt sind. Konkurrenz belebt das Geschäft.“_
"Wir revolutionieren die digitale Kundenbindung. Für Unternehmen ist es ein riesengroßer Wert, wenn sie endlich wissen, wer ihre Kunden sind."
Franz TretterGründer, Hello again