Von Vorbildern und Herzensangelegenheiten

Die Landesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft, Margit Angerlehner, über die Botschaften des fünften Unternehmerinnen-Kongresses, wie man mit Role-Models mehr Frauen für einen Lehrberuf begeistern will und warum die Vereinheitlichung der schulautonomen Tage und die Einführung des Familienbonus wichtige Signale für berufstätige Eltern sind.

Unternehmerinnen-Kongress

Wie pitche ich richtig, wie sehen Erfolgsstrategien für Geschäftsfrauen aus und wie nutzt man die Chancen der Digitalisierung wirklich? Unter anderem um diese Themen dreht sich der fünfte Unternehmerinnen-Kongress, der erstmals in Oberösterreich, genauer gesagt in der Linzer Voestalpine Stahlwelt, vom 19. bis 20. April stattfindet.

„Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass sich die Arbeitswelt und damit auch die Arbeitsweisen massiv verändert haben. Die Chancen, die sich daraus ergeben, muss man wahrnehmen. Man darf nicht immer nur Angst vor Veränderungen haben, sondern auch sehen, dass sich durch Veränderungen viele neue Möglichkeiten ergeben“, sagt die Landesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft, Margit Angerlehner. Denn von den Chancen der Digitalisierung könnten schließlich auch Frauen enorm profitieren, etwa durch Home-Office. „Dadurch wird die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtert“, so Angerlehner. Zudem würden auch neue Geschäfts- und Arbeitsmöglichkeiten entstehen, zum Beispiel neue Berufsbilder im Bereich Online Marketing oder Social Media. Diese müssten aber auch gefunden und genützt werden, das sei eines der Ziele des Unternehmerinnen-Kongresses. „Das verstehen wir unter unserem Motto ‚Neue Märkte, Neue Chancen’“, sagt Angerlehner. Rund 500 Unternehmerinnen aus ganz Österreich, aus allen Bundesländern, Branchen und Sparten, vom EPU bis zum Großbetrieb netzwerken und entwickeln gemeinsam Geschäftsmodelle und Ideen. „Netzwerken heißt schließlich nicht nur miteinander reden, sondern auch gemeinsam Geschäfte machen“, sagt Angerlehner.

Wichtige Signale für berufstätige Eltern

Schulautonome Tage

Frau in der Wirtschaft forderte schon seit längerem eine einheitliche Regelung der schulautonomen Tage. Die neue Regierung plant diese Forderung umzusetzen und die schulautonomen Tage in einheitliche Herbstferien umzuwandeln.„Es ist ein wichtiger Schritt für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Bei zwei Kindern in zwei unterschiedlichen Schulen ist das eine große Herausforderung. Wir sind vehement drangeblieben, denn eine politische Umsetzung ist in der Regel immer sehr langwierig“, sagt Angerlehner.

Familienbonus

Bis zu 1.500 Euro pro Kind und Jahr soll die Steuerentlastung bringen – gestaltet als Absetzbetrag. So würden bei einem Bruttoeinkommen bis 1.700 Euro künftig keine Steuern gezahlt werden, Familien mit zwei Kindern und einem Einzeleinkommen von 2.300 Euro brutto ersparen sich 3.000 Euro Steuerlast. Frau in der Wirtschaft wertet ihn als positives Signal und Anerkennung der Leistung von berufstätigen Eltern. „Es ist für uns positiv, denn wir haben immer gefordert, die Absetzbarkeit der Kinderbetreuung über das zehnte Lebensjahr des Kindes hinweg zu verlängern. Das ist jetzt unbürokratisch bis zum 18. Lebensjahr möglich“, sagt Angerlehner.

„Mein Ziel ist es, dass Jugendliche mit einer Lehre gleich wertgeschätzt werden wie Jugendliche mit einem höheren Schulabschluss.“

Margit AngerlehnerLandesvorsitzende, Frau in der Wirtschaft

g’lernt is g’lernt

Mit „g’lernt is g’lernt – Von der Lehre zur Unternehmerin“ startete Frau in der Wirtschaft im März eine Kampagne, die einerseits gezielt Frauen von Lehrberufen überzeugen und andererseits die gesellschaftliche Wertigkeit der Lehre erhöhen soll.

Konkret will man drei Punkte umsetzen, nämlich Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel, Unternehmerinnen als Role-Models sprechen lassen und das weibliche Entrepreneurship stärken. „Wir wollen gezielt aufzeigen, welche Chancen man heute mit einer Lehre hat. Mein Ziel ist es, dass Jugendliche mit einer Lehre gleich wertgeschätzt werden wie Jugendliche mit einem höheren Schulabschluss. Es muss eine größere Anerkennung der Lehre geben. G’lernt is g’lernt ist daher mein absolutes Herzstück“, sagt Angerlehner.

Ein wesentlicher Eckpfeiler, um dies zu erreichen, sind weibliche Role-Models. „Wir holen Unternehmerinnen vor den Vorhang, die in ihrem Bildungsweg eine Lehre absolviert haben und somit für uns eine Vorbildrolle einnehmen. So wollen wir zeigen, welche Chancen man mit einer Lehre hat.“ Dafür gehe man in die dritten und vierten Klassen der Neuen Mittelschulen in jene Bezirke, aus denen die Unternehmerinnen kommen. „In einer Schulstunde erzählen die Unternehmerinnen aus ihrem Leben, etwas Authentischeres gibt es nicht.“ 2018 wird es in sechs oberösterreichischen Bezirken solche Schulstunden geben, 2019 sind die Schulbesuche monatlich geplant. Am 19. März startete die erste Role-Model-Einheit in der Neuen Mittelschule 1 Marchtrenk mit Andrea Holzberger, die 2016 den Chefposten der Trachten Wichtlstube übernahm.

Neben den Role Models ist zudem ein Videofilm geplant, in dem Jugendliche in ihrem Lehrberuf begleitet werden. Daraus wird dann ein Kinospot gestaltet. Insgesamt sei es wichtig, dass über die Kampagne und die Lehrberufe diskutiert wird. „Wenn sich dann mehr Schüler bewusst für eine Lehre entscheiden, dann haben wir eigentlich schon gewonnen“, sagt Angerlehner._

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