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„Regionalisierungsträumereien sind der falsche Weg“

Die vier wichtigsten Exportmärkte für Österreich – Deutschland, die USA, Italien und Frankreich – sind teils schwer von der Coronakrise getroffen worden. Wie stabil sind die Handelsbeziehungen zu den Ländern? Welche Branchen sind betroffen?

Haindl-GrutschJene Branchen, die sehr komplexe Lieferketten haben, wie die Automobilindustrie, sind natürlich eingebrochen. Die Autoindustrie hängt sehr stark von Zulieferungen aus Italien oder Spanien ab, diese blieben aus und führten zum Stillstand von Automobilwerken. Andere Branchen konnten zum Glück weiterarbeiten. Wir haben intensiv darum gekämpft, dass nicht auch die Industrie von der Politik zugesperrt wird, sonst wäre der wirtschaftliche Schaden noch erheblich größer gewesen. Die Kurzarbeit werden wir noch länger brauchen, weil projektspezifische Branchen wie etwa der Anlagenbau die Krise erst viel später spüren werden.

Welche Chance sehen Sie in der Corona-krise für Oberösterreichs Wirtschaft? Welche innovativen Ideen wurden aus der Notsituation heraus geboren?

Haindl-GrutschIn der Privatwirtschaft haben Firmen während des Shutdowns in sehr kurzer Zeit Schutzausrüstungen produziert: Beatmungsgeräte, die innerhalb von vierzehn Tagen entwickelt und zertifiziert waren, Schutzmasken, die durch Kunststoffspritzguss produziert werden oder Schutzwesten, die zu piepen beginnen, wenn sich Menschen zu nahe kommen. Generell werden durch die Krise Digitalisierung und Automatisierung beschleunigt. Viele Unternehmen streben eine stärkere Diversifizierung von Lieferketten an. Technologie und Forschung werden nicht nur im digitalen Sektor, sondern auch im Energie- und Umweltbereich, in der Medizintechnik, oder in der Nahrungsmittel- und Verpackungsindustrie wichtiger. Im öffentlichen Dienst hat man gesehen, dass die Digitalisierung in der Bildung, im Gesundheitswesen und in der Verwaltung noch viel offensiver angegangen werden muss.

Wenn man die großen globalen Wirtschaftskrisen 1929 und 2008 mit der Coronakrise vergleicht, was kann man aus der Bewältigung dieser Krisen für die aktuelle mitnehmen?

Haindl-GrutschDie Coronakrise ist in jener Hinsicht einzigartig, weil sie die ganze Weltwirtschaft synchron durch den Shutdown getroffen hat. Wir als Industrie und auch der Bankensektor kennen solche globalen Krisen. Die letzte war 2008/09. Doch der gesamte Dienstleistungssektor, die Gastronomie, die Hotellerie und der Tourismus kennen seit dem zweiten Weltkrieg keine globalen Krisen mehr und sind nun besonders betroffen. Insofern ist diese Krise außergewöhnlich, auch wenn man aus den vergangenen Krisen gelernt hat: Die Europäische Zentralbank und die Fed reagierten schneller als 2008/09 und damit gab es keinen Engpass bei Krediten und keine Gefahr für einen Bankencrash. Und es ist nichts zerstört, so wie es bei kriegerischen Auseinandersetzungen der Fall ist: Wir haben die Infrastruktur, die Unternehmen, die Anlagen – es kann wieder hochgefahren werden. Was es braucht ist Zuversicht und Vertrauen._

3 Fragen an...

...Teodoro Cocca, Wirtschaftswissenschaftler an der JKU Linz

1) Die Finanzkrise 2008 ist vielen noch gut in Erinnerung. Damals wurde eine düstere Zukunft vorausgesagt, Österreich und die meisten betroffenen Staaten haben sich aber wieder rasch von der Rezession erholt und es folgte ein zehnjähriger Wirtschaftsaufschwung. Wie gut lässt sich die aktuelle Coronakrise mit der Finanzkrise 2008 vergleichen?

Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass der Auslöser der jetzigen Krise von außen kam und auf eine gesunde Wirtschaft traf. In der Finanzkrise entstand die Krise aus dem System heraus und war dann vor allem eine Bankenkrise. Bisher hat sich aber das Bankensystem sehr stabil gezeigt. Umgekehrt führte die Finanzkrise nie zu einem völligen Lockdown der Wirtschaft – das ist das gänzlich neue Element der aktuellen Krise. So etwas gab es eigentlich überhaupt noch nie – den praktisch kompletten Stillstand der Wirtschaft. Insofern hat natürlich jede Krise ihre eigenen Merkmale und Herausforderungen.

2) Sie sind der Meinung, dass die Tiefe bzw. die Folgen der Krise sehr stark davon abhängen, wie schnell die Wirtschaft wieder hochgefahren werden kann. Wie bewerten Sie die bisherige Vorgehensweise Österreichs zum Hochfahren der Wirtschaft?

Im Großen und Ganzen hat die Regierung gute Arbeit geleistet. Das Hochfahren scheint auch einigermaßen gut zu funktionieren, zumindest besser als man befürchtete. Das Szenario einer völlig zerstörten Wirtschaft hat sich zum Glück nicht bewahrheitet. Die Herausforderungen bleiben aber, vor allem für diejenigen, die starke finanzielle Einbußen erlitten haben. Wenn die Stimmung der Konsumenten zu alter Stärke zurückfindet und es der Regierung gelingt, Anreize für Investitionen und neue Arbeitsplätze zu setzen, dann können wir durchaus optimistisch in die Zukunft blicken.

3) Die wirtschaftliche Zusammenarbeit der G20-Staaten zur Bewältigung der Finanzkrise 2008 lief sehr gut. Der gemeinsame Kampf gegen die Corona-Pandemie lief dagegen zögerlich an. Selbst innerhalb der EU schlossen Staaten im Alleingang Grenzen. Welche Auswirkungen hat die Coronakrise auf das Image der EU?

Für die EU stellt die Coronakrise die bisher größte Herausforderung dar. Aber von europäischer Solidarität und gemeinsamem Handeln war in den letzten Wochen sehr wenig zu spüren. Anstatt von Europa wurde viel von der Stärkung der eigenen Region gesprochen. Deutschland bzw. Frau Merkel scheint nun aber gewillt, hohe Summen für den „Wiederaufbau“ der EU einsetzen zu wollen. Die zentrale Frage bleibt, wer schlussendlich für all diese Rettungs- und Unterstützungsmaßnahmen zahlen wird. Momentan werden von bereits stark verschuldeten Staaten am Kapitalmarkt weitere Kredite aufgenommen. Die müssen aber zurückgezahlt werden. Spätestens durch unsere Kinder.

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