Nafta-Raum in Gefahr?

USA, Mexiko und Kanada sorgen aktuell aufgrund der Nafta-Neuverhandlungen für Schlagzeilen. Müssen sich heimische Firmen um drei sich bisher sehr gut entwickelnde Exportmärkte Sorgen machen? Eine Spurensuche bei den Wirtschaftsdelegierten und Unternehmen in den Märkten.

Mexiko

  • Rang 23 wichtigster Warenexportmarkt für Österreich

Mit Lohnkosten auf dem Niveau Chinas und Freihandelsabkommen mit 46 Ländern ist Mexiko laut Friedrich Steinecker, Wirtschaftsdelegierter in Mexiko-City, der attraktivste Produktionsstandort in Amerika. Es gebe beim Wirtschaftsmarkt Mexiko mit einem Wachstum von über zwei Prozent viel Grund zur Freude und US-Präsident Trump sei kein Grund zur Panik.

In der von US-Unternehmen dominierten, globalisierten Industrie ist „business as usual“ angesagt. Die Erdbeben im September 2017 hätten in erster Linie eine humanitäre Katastrophe ausgelöst, aber den wirtschaftlichen Nerv nicht getroffen. Die Auslandsinvestitionen liegen zwar etwas unter dem langjährigen Durchschnitt, gehen aber ungebrochen weiter und wurden nur etwas zurückgestellt. Mexiko werde auch in Zukunft ein interessanter Markt für Technologie und Zulieferungen sein und davon profitiert die österreichische Wirtschaft. Mexiko ist hinter Australien der am stärksten wachsende Überseemarkt für die österreichische Exportwirtschaft. In den vergangenen vier Jahren haben sich die Exporte nach Mexiko auf eine Milliarde Euro im Jahr 2017 verdoppelt. Rund 600 Millionen davon erwirtschaften Firmen direkt mit dem Maschinen- und Anlagenbau. Darunter auch Sondermaschinenbauer Fill aus dem Bezirk Ried/Innkreis, der 2014 eine Verkaufs- und Serviceniederlassung in Mexiko gegründet hat, um am boomenden mexikanischen Automobilmarkt präsent zu sein, und seither kräftigt gewachsen ist. Die Fill Gruppe macht 2017 mit rund 800 Mitarbeitern insgesamt knapp 160 Millionen Euro Umsatz.

140 Twitter-Zeichen keine Gefahr

In Mexiko werden 2017 rund 3,8 Millionen Fahrzeuge produziert – bis 2018 soll die Zahl auf vier Millionen Stück ansteigen. Eine Entscheidung von Ford im Jänner 2017, ein großes Investitionsprojekt in Mexiko aufzugeben, könne laut Steinecker genauso auf Grund der schwachen Nachfrage nach Kleinwagen auf dem US-Mark und nicht wie öffentlich diskutiert wegen des politischen Drucks seitens der neuen US-Administration passiert sein. Ergebnisse der laufenden Nafta-Verhandlungen werden öffentlich nicht kommuniziert. Steinecker zu Nafta: „In den 23 Jahren, in denen Nafta gültig ist, haben sich Wertschöpfungsketten gebildet, die man nicht so einfach entflechten kann. Die US-Industrie hat rund 250 Milliarden US-Dollar in Mexiko investiert, das kann man nicht mit 140 Twitter-Zeichen kappen.“

„Die Mexikaner sind wissbegierige und lernfähige Mitarbeiter und im universitären Bereich ist die Ausbildung sehr gut.“

Wolfgang RathnerGeschäftsführer, Fill Maschinenbau

Insgesamt haben rund 100 österreichische Firmen eine Niederlassung in Mexiko, knapp 30 davon auch eine Produktionsstätte. Gefragt nach Schwierigkeiten in Mexiko antwortet Fill-Geschäftsführer Wolfgang Rathner: „Wir haben kaum Probleme in Mexiko.“ Die industrielle Infrastruktur sei bereits sehr gut ausgebaut. Wenn man etwas braucht und Mexikaner darauf mit „manana“, übersetzt „morgen“, antworten, dann kann dies auch etwas länger dauern: „Darauf muss man sich halt einstellen.“ Die Mexikaner seien aber wissbegierige und lernfähige Mitarbeiter. Im universitären Bereich sei die Ausbildung sehr gut, bei der fachlichen Grundausbildung gebe es im Vergleich zur dualen Ausbildung in Österreich noch großen Aufholbedarf. Von Österreich dauert die Anreise rund fünfzehn Stunden, Spanischkompetenzen sind laut Steinecker auf jeden Fall von Vorteil.

Herausforderungen für die Regierung

Für Unternehmen, die am mexikanischen Binnenmarkt tätig sind, sei einer der Knackpunkte für den Erfolg der richtige Vertreter. Dazu Steinecker: „Die Suche ist manchmal sehr schwierig, es gibt nicht in allen Bereichen geeignete Messen, der Binnenmarkt ist nur begrenzt durchschaubar.“ Die PEZ Gruppe mit Sitz in Traun hat diese Hürde erfolgreich gemeistert, arbeitet bereits seit fünfzehn Jahren mit ihrem Vertriebspartner zusammen. PEZ ist in Mexiko laut Area Business Manager Miriam Toiber de Hütter gut vertreten, die Absatzzahlen wachsen stabil. Insgesamt sind PEZ-Produkte in über 80 Ländern erhältlich. Zielgruppe in Mexiko sei die kleine Mittelschicht und wohlhabende Leute.

Die Armut ist neben der Sicherheit eine der großen Herausforderungen der Politik. 50 Prozent der Bevölkerung leben an der Armutsgrenze, weitere zehn Prozent in extremer Armut. Zum Thema Sicherheit sagt Steinecker: „Die Realität Mexikos ist wesentlich besser als ihr Ruf.“ Die oft zitierte organisierte Kriminalität finde in anderen Regionen als die ausländische Lohnfertigungsindustrie statt. „Jemand, der hier wirtschaftlich tätig ist, hat keinen Anlass, sich dort aufzuhalten. In den vergangenen vier Jahren, seit ich hier tätig bin, ist in keiner österreichischen Niederlassung etwas in diese Richtung passiert.“ Puebla, Firmensitz von Fill, werde laut Rathner immer wieder als Zentrum der Drogenmafia genannt: „Wir bekommen davon nichts mit, haben keine Probleme.“ Gefährlich sei es nur dann, wenn man sich nicht an gewisse Richtlinien halte – solche gebe es aber überall auf der Welt. Rathner schätzt die Kultur und die Gastfreundschaft, fühlt sich bei seinen Besuchen sehr wohl. Laut Steinecker ist Mexiko einer der freiesten Märkte der Welt: „Die mexikanische Gesellschaft ist weltweit eine der offensten, wenn eine Geschäftsbeziehung einmal läuft, dann läuft sie.“

#Ähnliche Artikel

Abflug!

Die weltweite Anzahl der Flugzeuge wird in den nächsten Jahren stark zunehmen, die zwei großen Flugzeugbauer Airbus und Boeing wollen ihre jährliche Stückzahl von 1.500 auf bis zu 2.300 erhöhen. Gute Aussichten für den Flugzeugzulieferer FACC mit Sitz in Ried im Innkreis, der zu den 20 größten der Welt gehört und bei allen neuen Flugzeugmodellen vertreten ist. Vorstandschef Robert Machtlinger über die dafür notwendigen Vorbereitungen und warum das Staustehen in Großstädten vielleicht schon bald der Vergangenheit angehören könnte.

Ist das innovativ?

Diese Frage stellt man sich bei Fill Maschinenbau in Gurten ständig. Nur so könne man sich als Unternehmen weiterentwickeln, sagt Geschäftsführer Andreas Fill. Das gehe am besten im Austausch mit anderen Firmen oder Organisationen. Und am liebsten daheim im Innviertel, genauer gesagt in der zum 50-jährigen Firmenjubiläum eröffneten Event-Location, dem Fill Future Dome.

Musterschüler Oberösterreich?

In welchen Bereichen ist der oberösterreichische Wirtschaftsstandort Klassenprimus, wo braucht er noch Förderunterricht? Das haben wir Produktionsunternehmen in ganz Oberösterreich gefragt. Landeshauptmann Thomas Stelzer und Landeshauptmann-Stellvertreter Michael Strugl nehmen zu den Kritikpunkten von Unternehmen und Interessensvertretungen Stellung, zeigen Stärken und Schwächen des Standortes auf und argumentieren die Notwendigkeit des potentiellen Standortentwicklungsgesetzes.

44 Unternehmen mit ausgezeichnetem Erfolg

Der Zweite ist immer der erste Verlierer? Falsch. Es kann auch mehrere Gewinner geben. Im Falle von „Österreichs Beste Arbeitgeber“, ausgezeichnet vom Forschungs- und Beratungsnetzwerk „Great Place to Work“, sind es heuer sogar 44. Es sind Unternehmen, die sich nicht selbst als solche bezeichnen, sondern denen ihre eigenen Mitarbeiter so ein gutes Zeugnis ausstellen.

„Ganz zufrieden bin ich nie“

Es waren große Fußstapfen, die er zu füllen hatte. Es waren unangenehme Sachverhalte, die er angehen musste. Und es war (und ist) eine große Verantwortung, die er zu tragen hat. Thomas Stelzer über Herausforderungen in seinem ersten Jahr als oberösterreichischer Landeshauptmann, die gesetzlich verankerte Schuldenbremse, die neu formierte Bundesregierung und die Neustrukturierung der Landesverwaltung.

Zukunftsmarkt Vietnam

Bereits seit einigen Jahren wird Vietnam als das neue China mit niedrigen Löhnen und einer aufstrebenden Mittelschicht bezeichnet. Investoren aus Österreich sind den Lockrufen in den langgestreckten südostasiatischen Küstenstaat bisher aber nur zaghaft gefolgt. Nun ist mit dem Backgrundstoffhersteller Backaldrin ein großes oberösterreichisches Unternehmen mit einer Produktion auf dem Sprung nach Fernost. Die Erwartungen sind groß. Ein Überblick über den Zukunftsmarkt Vietnam.

"Verkaufen kam nicht in Frage"

Vor rund zweieinhalb Jahren hat Georgia Rohrhofer-Meinhart, die Nichte von Firmengründer Walter Meinhart, die Geschäfte beim österreichischen Marktführer für Kabeln und Leitungen, Meinhart Kabel aus St. Florian, übernommen. Gemeinsam erzählen Onkel und Nichte, warum man immer in Oberösterreich geblieben ist, wie man als studierte Romanistin und Journalistin Geschäftsführerin in der Kabelbranche wird und wie die Übergabe ablief.

PR

Ausgezeichnet

„It’s up to you!“ Unter diesem Motto hat die Junge Wirtschaft junge erfolgreiche Gründer oder Übernehmer mit dem OÖ. Jungunternehmerpreis 2018 ausgezeichnet. Neun Preisträger in drei Kategorien, die mit neuen Ideen und innovativen Lösungen wichtige Impulse für Oberösterreichs Wirtschaft setzen und zeigen, was mit schöpferischer Kraft sowie unerschütterlichem Willen möglich ist.

Und ab!

Ein Hippie im Geiste, der mit Ende 40 Brillen designt, eine Oberösterreicherin, die das It-Starlet Kim Kardashian und die Oscar-Prominenz mit falschen Wimpern versorgt und zwei junge Architekturstudenten, die einen mit Virtual Reality durch das zukünftige Zuhause führen. Wir haben wieder spannende Start-ups unter die Lupe genommen.

Mehr als nur ein Arbeitsplatz

In Co-Working-Spaces können Jungunternehmer auf vorhandene Infrastruktur zurückgreifen, netzwerken, arbeiten – und fühlen sich im Gegensatz zum Home-Office beim Kaffeetrinken nicht alleine. Weltweit ist das Konzept auf dem Vormarsch. Aber wie arbeitet es sich eigentlich in solchen Büros? Wir haben den „Workspace“ in Wels getestet – der eigentlich kein klassischer Co-Working-Space ist.

Die Chancen der Zukunft

Wie arbeiten wir im Jahr 2030? Zwölf Jahre sind nicht die Welt. Stimmt. Was soll 2030 also schon großartig anders sein als heute? Aber denken wir mal zwölf Jahre zurück. Hätten wir damals gedacht, dass Facebook, Google, Amazon und Co plötzlich die Welt regieren werden? Dass wir unser komplettes Leben auf einem sieben mal vierzehn Zentimeter (mehr oder weniger) großen Ding organisieren und permanent mit uns herumschleppen werden? Gar nicht so unwahrscheinlich also, dass wir 2030 ganz anders leben werden als heute.

„Wir müssen uns eine eigene Ausbildungs-Academy leisten“

Das Wort „Fachkräftemangel“ kann schon niemand mehr hören, sind sich die drei Eigentümer Johannes Grabner, Gerhard Kornfelder und Alfred Griesbaum sowie der Geschäftsführer Markus Nuspl der Firma Rico einig. Zu Besuch bei einem der weltweit führenden Technologieanbieter in der Herstellung von Spritzgusswerkzeugen sowie Automatisierungskomponenten für Elastomere und Kunststoffprodukte in Thalheim bei Wels erzählen die vier, warum man das Thema aber trotzdem immer wieder ansprechen muss und was die interne „Rico Academy“ damit zu tun hat.

Am Ende der Welt? Im Zentrum der Innovationen!

Wer schon mal mit einem Airbus A380 oder einer Boeing 747 geflogen respektive mit einem Audi, BMW oder Mercedes gefahren ist, hatte bereits Kontakt mit dem größten Aluminiumhersteller Österreichs: Der Amag Austria Metall. Am Standort im oberösterreichischen Ranshofen spricht CEO Helmut Wieser über innovative Ideen, schöpferische Zerstörung und sein großes Vorbild, die Formel 1.

Das Ende der Mediaagenturen?

Programmatic Advertising, Content Marketing, Virtual Reality oder Big Data: Alle Werbemacht den Algorithmen? Wohl nicht! Die digitale Welt folgt zwar ihrer eigenen inneren Logik, doch die neuen Trends der Werbebranche werden sich auch in Zukunft nur mithilfe von kreativen Köpfen und ihren Ideen durchsetzen können, sind sich Branchenexperten einig. Um mit der Schnelligkeit der Digitalisierung Schritt halten zu können, müssen die Agenturen auf neue Strategien wie mehr Beratung, neue Geschäftsfelder und weitere massive Investitionen in IT setzen. Sieben Thesen zur Entwicklung von Media- und Werbeagenturen im digitalen Zeitalter und die Statements von denen, die es wissen müssen: die Geschäftsführer Joachim Krügel von Media 1, Tina Kasperer von Allmediabizz, Rainer Reichl von Reichl und Partner und Klaus Lindinger von Conquest.

Individuell und automatisiert: Geht das?

Er ist eigentlich altbekannt, aber dennoch neu. Er wurde lang unterschätzt, gewinnt aber durch die Digitalisierung wieder an Bedeutung. Er punktet in einer schnelllebigen Welt nicht durch Schnelligkeit, hat aber dennoch großes disruptives, gesellschaftsveränderndes Potential. Er kann automatisieren, aber ganz individuell. Die Rede ist vom 3D-Druck.

Von Vorbildern und Herzensangelegenheiten

Die Landesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft, Margit Angerlehner, über die Botschaften des fünften Unternehmerinnen-Kongresses, wie man mit Role-Models mehr Frauen für einen Lehrberuf begeistern will und warum die Vereinheitlichung der schulautonomen Tage und die Einführung des Familienbonus wichtige Signale für berufstätige Eltern sind.

Ab in die Zukunft!

6,06 Milliarden Euro beträgt die touristische Wertschöpfung in Oberösterreich. Bis 2022 soll die Zahl um fünfzehn Prozent steigen – so das ambitionierte Ziel der neuen Landes-Tourismusstrategie. Grund genug, den Touristen des Jahres 2022 und seinen Urlaub in Oberösterreich genau unter die Lupe zu nehmen. Eine Reise in die Zukunft – zum Reisenden der Zukunft.

Von Oberösterreich in die ganze Welt

27 Prozent aller österreichischen Exporte stammen aus Oberösterreich – Österreichs führendem Exportbundesland. Die Top 100 Industrieunternehmen in Oberösterreich haben über 1.700 Niederlassungen in über 80 Ländern (194 Staaten erkennen die Vereinten Nationen derzeit an). Rund ein Viertel davon gehört selbst einem ausländischen Konzern an – drei Viertel der Unternehmen haben ihr Headquarter in Oberösterreich.