Wie man (sich) abhebt.

Das zeigen vier Persönlichkeiten, die allesamt in neuen Führungspositionen vor großen Herausforderungen stehen. Und diese auf ihre eigene, oft unkonventionelle Art und Weise bewältigen wollen – denn sie haben sich vor allem aus einem Grund gegen andere Kandidaten durchgesetzt: Weil sie anders sind.

„Eine Führungskraft muss einen weiterbringen, fachlich wie persönlich."

Elisabeth Strübl Geschäftsführerin, Aveg Linz/Leonding

Elisabeth Strübl

Vorweg: Nein, Elisabeth Strübl fährt keinen Porsche. „Im Moment fahre ich einen VW Tiguan Allspace“, sagt die neue Geschäftsführerin der Aveg Linz/Leonding, die neben Porsche auch VW, VW Nutzfahrzeuge, Audi, Seat und Skoda verkauft. „Ich fahre aktuell bewusst keinen Porsche, weil ich gern die Qualität all unserer Marken spüren und erleben möchte.“ Porsche kennt sie ohnehin in- und auswendig, Strübl leitete zuvor bei der Sportwagenmarke Porsche den Vertrieb Österreich. Nun ist sie zurück – im Einzelhandel und in Oberösterreich, beides sind ihre Wurzeln. „Ich bin als Frau in der Automobilbranche wohl etwas ungewöhnlich, aber Autos haben mich von klein auf geprägt, weil mein Vater Oldtimer sammelt und selbst restauriert, das Thema hat mich immer schon fasziniert.“ Nach dem Studium stieg sie bei der Porsche Holding in Salzburg im Einzelhandel ein, kam international, vor allem von Osteuropa bis China, viel herum und nach zehn Jahren im Vertrieb beim Porsche-Importeur reizt es sie, wieder im Einzelhandel die Fäden zu ziehen. Reizvoll findet sie auch, 140 Mitarbeiter zu führen. Und zwar so reizvoll, dass sie frühzeitig aus der Karenz zurückgekommen ist, ihr Sohn ist zehn Monate alt. Dass ihre Eltern in Oberösterreich wohnen, machte den Weg zurück ins Berufsleben wesentlich einfacher für sie. „Sonst wäre es schwer gewesen, meine Karriere so fortzusetzen.“

Karriere wollte die 37-Jährige schon immer machen. „Ich mag Menschen weiterbringen, ich will mit ihnen verändern und vorangehen, es macht mir einfach Spaß, wenn der Aufgabenbereich sehr breit und der Gestaltungsspielraum groß ist“, erzählt Strübl. Genaugenommen sind es 130 Männer und zehn Frauen, die sie führt. „Ich habe Handschlagqualität und verstehe auch Spaß, bei mir weiß man immer, woran man ist, ich spreche eine klare Sprache. Das ist generell wichtig und ganz besonders, wenn man mit vielen Männern zusammenarbeitet.“ Außerdem setze sie auf einen menschenorientierten Führungsstil. „Man darf die Mitarbeiter nie aus dem Blickfeld verlieren, da sind immer wertvolle Persönlichkeiten dahinter.“

Warum sie zwar die Aufgaben und Positionen, aber nie das Unternehmen gewechselt habe? „Weil sich immer spannende Möglichkeiten in der Firma für mich ergeben haben – wenn man hier engagiert ist, bekommt man das zurückgespiegelt.“ Bevor sie allerdings eine neue Stelle übernommen hat, stellte sie sich immer drei Fragen: Was ist mein Gestaltungsspielraum? Was kann ich verändern? Und: Wer ist mein Chef? „Gerade wenn man eine Führungskarriere anstrebt, braucht man Menschen, die enem Perspektiven vermitteln, fachlich wie persönlich. Und das kann ich fix sagen: Meine Chefs haben mich auf jeden Fall geprägt, ich durfte sehr viel von ihnen lernen.“

Und damit konnte sie andere Bewerber wohl ausstechen. „Man kennt mich gut, weiß über meine nachhaltige Arbeit Bescheid, dass ich Dinge, die ich in Angriff nehme, stets zum Ziel führe und dass ich mit meiner Erfahrung sehr viele Bereiche abdecken kann“, erzählt Strübl. Wichtig sei auch ihre Marktkenntnis und ihr oberösterreichisches Netzwerk und nicht zuletzt wollte man sicher auch einer Frau die Chance geben, sagt sie weiter. Das sei aber definitiv nicht der einzige Grund. „Wenn man so eine Position einnimmt, bekommt man natürlich nicht nur Freunde, sehr viele sehen es kritisch, wenn eine Frau und junge Mutter im Geschäftsleben Verantwortung übernimmt. Aber es spornt mich höchstens an, zu zeigen, dass das eine Frau auch kann“, sagt sie und schmunzelt.

  • Ausbildung und Karriere_ studierte I-BWL an der WU Wien und später berufsbegleitend Rechtswissenschaften in Linz, stieg zunächst im Einzelhandel bei Porsche ein und war dann zehn Jahre für das Marketing der Marke Porsche zuständig.

Gedanken

Eine Führungskraft sollte_Menschenorientierung, Vorbildwirkung, Umsetzungskraft, Zielstrebigkeit und Handschlagqualität haben.

Laut werde ich_nur im Auto, wenn ich Musik höre und mitsinge.

Das Schwierigste an meinem Job ist_dass ich mein Kind nicht gleichzeitig sehen kann und dass man gerecht gegenüber seinen Mitarbeitern bleibt.

Lebensmotto_Das Leben ist keine Generalprobe.

Später soll mir einmal nachgesagt werden_dass ich eine gewisse Vorbildwirkung für Frauen in der Automobilbranche hatte und dass ich eine gute, prägende und motivierende Führungskraft war.

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